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der miese peter
Januar: Kann denn Wulffen Sünde sein?

Liebe Mietbürger! Ich bin vielleicht nicht der richtige Bundespräsident für ihr Land, aber ganz bestimmt der passende. Denn ist nicht jedem von uns schon einmal Büromaterial heimlich nach Hause gefolgt, hat sich unsere Privatpost geschickt zwischen Briefen der Firma versteckt oder drängten uns Lieferanten auch privat gewaltsam ihre Prozente auf? Das ist doch alles nicht so schlimm, schließlich haben wir es uns verdient, ganz normales Wulffen halt.

Als demokratische Egoisten wissen Sie natürlich: Wer immer nur fremde Interessen vertritt, dem können auch mal eigene dazwischen geraten. Schließlich sind wir bei der Arbeit zuhause, und ein schönes Zuhause ist auch Arbeit (meint meine Frau). Und viele unserer Geschäftspartner sind nur deshalb unsere guten Freunde, weil wir unabhängig von unserem Job so sauinteressante Typen sind. Wer will ihnen das verdenken?

In den Blättern zur Berufskunde habe ich mal gelesen: „Unternehmer schenken nicht, sie investieren“. Aber mal ehrlich: Das hätten die anderen doch gemerkt! Und wer von uns ist schon in der Lage, den feinen Unterschied zwischen einem unabhängigen Finanzoptimierer und einem Betrüger bestechend zu erklären? Meine Banker und Anwälte jedenfalls nicht. Dabei kennen die sich schon von Berufs wegen mit der Wahrheit aus – schließlich bezahle ich sie dafür. Und gerade die Bild-Zeitung sollte doch wissen, dass Nehmen genauso selig ist wie Geben, solange denn der Geber selig ist. Aber das habe ich so nicht gesagt – auch nicht am Telefon.

Irgendwer meint, ich hätte Fehler gemacht. Das tut mir leid. Auch, dass ich nicht weiß, welche. Dennoch bin ich bereit, meine Frisur zu ändern. Und meine Brille. Und ein Buch zu schreiben: „Frau tätowiert, Typ gebrandmarkt“, oder so. Irgendwer wird’s schon bezahlen. Aber das bleibt jetzt mal unter uns Pastetentöchtern.

Um zukünftige Bundespräsidenten vor ähnlichen Identitätskrisen zu bewahren, schlage ich zudem die Mainzelmännchen als neue moralische Instanz vor. Erstens haben auch die beste Kontakte zur Wirtschaft. Zweitens wissen sie nach einem Streich stets, dass sie etwas ausgefressen haben. Und drittens gefällt mir ihre Moral von der Geschicht‘: Mit dem Zweiten sieht man besser – weg.

Mit unbezahlbaren Grüßen

Ihr öffentlich-rechtliches Bundesrudiment

 

Dezember: Frohes Stressfest!

Was für Atomkraftwerke, Banken und Bahnhöfe gut ist, kann für uns doch nicht schädlich sein. Nein, die Rede ist nicht vom burn-out, sondern von dessen kleiner Schwester, dem Stresstest. Und wenn man sich’s genau überlegt, dann ist das Leben selbst ein einziger Stresstest. Es geht schon früh morgens los: Wie viel Aufstehen kann man verkraften, ohne das Weiterschlafen zu beeinträchtigen? Und wie viel gute Laune vom Lebenspartner, ohne die nächsten dreißig Jahre als Verschlusssache mit anschließender Sicherheitsverwahrung überbrücken zu müssen?

Der berühmteste Stresstest fand übrigens vor rund 2000 Jahren statt und widmete sich der Belastbarkeit von Vater-Sohn-Beziehungen. Seit Kurzem testet Kim Jong Il, ob der Nordhimmel unter seiner Führung nicht nur Hitzköpfe, sondern auch Sprengköpfe beherbergen kann.

Während der Winter die Lächerlichkeit von Ausreden der Deutschen Bahn testet, testen Audi-Fahrer neuerdings, wie dicht sie bei regennasser Autobahn auffahren können, ohne den Vordermann mittels der Leitplanke zu kastrieren.

Das ist Münchener Lokführern vollkommen schnuppe, da sie jetzt nach Möglichkeiten suchen müssen, trotz Alkoholverbots in der S-Bahn den Arbeitstag unbeschadet zu überstehen. Auch Christian Wulff testet, ab wie viel hochprozentiger Zuwendung von außen man seinen Job verliert, und ob man einem geschenkten Urlaubs- Kredit- und Werbe-Gaul nicht doch in sein zu großes Maul schauen sollte.

Russland testet Demokratie ohne Wähler, die FDP auch. Und die Weltklimakonferenz testet, ob es im Jahr 2020 wirklich noch Sinn macht, in Sachen Klimaschutz über erste Handlungsschritte überhaupt nachzudenken.

Da will ich natürlich nicht abseits stehen und teste die Toleranz meiner Frau mit verschiedenen weiblichen Beruhigungsmitteln (Blumen für sie, Blondinen für mich), damit wir künftige Belastungsproben auch mit handfesten Lebenskrisen relativieren können. Denn nichts ist so stressig, dass es nicht auch für irgendetwas gut wäre. Muss ja nicht mehr in diesem Leben sein…

November: Böser Lumpi!

Hilfe, mein Hund ist ein Nazi! Dass etwas mit Lumpi nicht stimmt, habe ich zum ersten Mal beim Stöckchen-Holen gemerkt. Plötzlich kam Lumpi nicht mehr freudestrahlend zu mir zurück, sondern ging mit dem Stock auf andere Vierbeiner los. Nicht auf alle, sondern nur auf die, die kein braunes Fell hatten. Merkwürdig. Als er dann auch noch beim Gassi gehen jeder ausländischen Automarke unbedingt ans Bein pinkeln musste, machte ich mir schon so meine Gedanken. Ich hatte es ja immer geahnt, dass das ständige Schnüffeln an fremden Ärschen auch ein braunes Gedankengut hervorbrachte. Dennoch, mein Lumpi war sicher nur ein Einzelfall.

Als nächstes gingen ihm die Haare aus. Also nicht überall, sondern nur am Kopf. Der Doktor sagte, dass sei völlig normal in seinem Alter. Hunde seien auch nur Menschen, mir ginge es schließlich auch nicht besser, blablabla. Meine Beruhigung hielt jedoch nur so lange, bis ich herausfand, dass Lumpi eine ganz eigene Art hatte, sein Revier zu markieren: Er schupperte so lange mit dem Kopf an den umliegenden Hauswänden herum, bis auf denen so eine Art Haxenkreuz erkennbar wurde. Was auch immer das zu bedeuten hatte, es blieb jedenfalls nicht ohne Folgen für seinen Kopf. Denn immer, wenn er auf einen anderen Hund aus unserer Nachbarschaft traf, hob er wie zum Gruß den rechten Hinterlauf. Merkwürdig? Schon, vor allem, weil es ihm die anderen Hunde bald gleichtaten. Nicht alle, denn die fremden Herrchenrassen befanden sich zu dem Zeitpunkt schon in Blondis Zwinger - wie ihr Frauchen Tage später erschrocken feststellten musste.

Denn in der Zwischenzeit wurde die Dorfgemeinschaft längst von einem anderen Phänomen in schlechtem Atem gehalten: Allabendlich traf sich die versammelte Hundebande an verschlagenen Orten zum gemeinsamen Kläffen und Jaulen. Katzenmusik, nur ohne Katzen, dachte ich. Doch wer genauer hinhörte, konnte so etwas wie Musik erkennen, martialisch und etwas entartet zwar, doch immerhin. Punk wurde anfangs ja auch verkannt…

Unseren Wau-Männern jedenfalls schien es zu gefallen. Alle waren mit großem Geifer bei der Sache. Vor allem Lumpi bellte so lange hysterisch auf die anderen ein, bis ihm plötzlich ein vielkehliges „Heil Hundler“ entgegenschallte. Kein Wunder, dass er auf meine Kommandos nicht mehr hörte. Der treue Kamerad hatte sich selbstständig gemacht und die Seiten gewechselt: vom Apportieren zum Deportieren.

Um mich vor meiner Verfassung zu schützen, tat ich der Selbsthilfegruppe FANG bei (Fraktion anonymer Nazihunde-Gegner) und eröffnete ein Nagelstudio, um der Farbe Braun einen neuen Anstrich geben zu können. Denn immer noch werden in unserer Gesellschaft die Opfer von Witzhunden verhöhnt:

Zwei Nachbarn treffen sich auf der Straße. Der eine: "Ihr Pekinese hat meinen Rottweiler getötet." Der andere: "Was, meine Kleiner? Das kann nicht sein!" - "Doch, er ist dran erstickt."

In diesem Sinne: Ich heil Hundler – wen heilst Du?

 

Oktober: Zahlen, bitte!

Wer kennt ihn nicht, diesen Moment des stillen Glücks, wenn man beim Blick ins Portemonai feststellt, dass einem nicht etwa 100 Euro fehlen, sondern nur 50. Es ist halt immer gut, die Rechnung auch mal ohne den Betriebswirt zu machen!

Warum sollte es da der für ihre geballte Wirtschaftskompetenz bekannte Pleitebank HRE mit 55 Milliarden anders gehen? Die muss für knausrige 126 Millionen ihrer eigenen Bad Bank die Schmutzwäsche machen (auf Bänkisch auch EDV genannt). Da kann es schon mal vorkommen, dass nach dem Verschleudergang nicht mehr drei Sparstrümpfe übrig sind, sondern nur noch einer – dafür aber der mit dem größten Loch. Geldwäsche, ein schmutziges, aber manchmal doch lohnendes Geschäft.

Von einem Fachkräftemangel kann hierzulande aber gar keine Rede sein. Denn aufgedeckt wurde diese riesen Waschkraft von der griechischen Putzfrau Hypo Theka, die bei der nächtlichen Reinigung des Finanzplatzes durch einen flüchtigen Blick auf die falsche Bilanz das Verwechseln von Plus und Minus bemerkt hatte. Zum Dank bekam sie nach ihrer Kündigung von Finanzspritzenminister Schäuble einen Warenkorb der Supermarktkette Brutto verliehen.

Auch ein Rechenschieber von der FDP meldete sich zu Wort. Man könne der Wirtschaft nicht vorschreiben, das korrekte Vorzeichen zu benutzen, wolle aber prüfen, ob ein derartiges Modell nicht auch bei den eigenen Wahlergebnissen gewinnbringend anzuwenden sei.

Die SPD merkte an, ohne den Mindestlohn im Reinigungsgewerbe (7 EUR) sei die ehemalige griechische Staatsbedienstete wohl kaum dazu bereit gewesen, bei uns auch noch die finanzielle Drecksarbeit zu erledigen.

Nur die Gebrüder Lehman zeigten sich enttäuscht darüber, die besagten 55 Milliarden nicht zeitnah überwiesen bekommen zu haben. Anscheinend gebe es im Geldhaus Deutschland erhebliche Probleme mit der Zahlenmoral. Da könne man als externer Dienstleister gerne Abhilfe schaffen. Schließlich herrsche hierzulande immer noch die Demokratie des Geldes…

 

September: Wahl-Gesänge

Zur Landtagswahl ein fröhlich „Halali“ aus Berlin! Dort kennt man sich aus mit Problem- und Schad-Bär. Denn während die einen noch mit Autos spielen, fackelten die anderen nicht lange, und brannten den Geisterfahrern von der FDP ordentlich eins über. Schließlich bekommt hier nicht jedes verrückte, eiskalte Raubtier auch ein Denkmal gesetzt wie wheiland König Knut. Manch ein Wasserkopf muss sich statt eines gerührten Kondolenzbuches mit einem geschüttelten Denkzettel begnügen: Schlachthof statt Streichelzoo. Ja, der Preuße schießt zwar nicht so schnell, trifft manchmal aber doch den Richtigen!
Zudem muss nicht jedes Problem von schlagfertigen Jugendlichen auf einem U-Bahnhof erledigt werden. Drum zeigte die berühmte Berliner Schnauze nicht nur ihre Krallen, sondern auch einen ganz besonderen sozialpädagogischen Humor. Mit dem Blattschuss von 1,8 % markierte sie der FDP kalt lächelnd ihr neues Revier: Exakt zwischen Tier (NPD 2,1 %) und Tierschutz (1,5 %) gelegen, bietet sich hier reichlich Gelegenheit zur inhaltlichen Neuorientierung – auch Bodenhaltung der Tatsachen genannt.
Manchmal hat man einfach keine andere Wahl. Oder war alles nur ein Missverständnis? Dachte der Hauptschulstädter etwa, mit den „Piraten“ träte die FDP unter ihrem wahren Namen an? Hat gar Frankfurts FDP-Chef Pfeil Recht mit der Prothese, die Masse der Wähler sei zu ungebildet, um die Botschaft der FDP zu verstehen? Sollte also das Berliner Bildungssystem noch maroder sein, als das seiner Finanzen??
Apropos Denkverbote: Wenn schon Ministerpraktikant Rösler den Zappel-Philipp gibt, und hektisch eine geordnete Insolvenz für Griechenland fordert, sollte dann seine Partei nicht selbst mit gutem Beispiel vorangehen? Schließlich hat nicht jeder das Geld, sich die FDP schön zu kaufen.
Gut, China schon. Und mit dem Erwerb der FDP würde Europa da geholfen, wo es am ärmsten ist. Parole: Eine Treuhand wäscht die andere. So bekäme die „gelbe Gefahr“ endlich auch das passende Gesicht! Doch wie scherzte bereits der große Vorsitzende: „Was nützt dem Bettnässer ein Rettungsschirm? Übrig bleibt nur ein gelber Fleck auf der politischen Landkarte.“
Für die einen blanke Urinie, für die anderen endlich eine Form von Popolismus, die man auch am eigenen Unterleib nachvollziehen kann!

 

August: Summ Summ Summ

Schwarz-Gelb ist auch nicht mehr das, was es mal war: Statt wie noch in unschuldigen Kindertagen emsig umherzuschwirren, in der steten Bemühung, dass es unserem Frühstücksland weder an Milch noch an Honig mangeln möge, die gute Königin den Staatsbau in Ordnung hielt, indem sie die fleißigen Arbeiterinnen durch milde Duftgaben bei Laune und dennoch beim Nachwuchs hielt, der soziale Wohnungsbau gepflegt und durch tiefes Eintauchen in die Materie für blühende Landschaften gesorgt wurde, wirkt heute der Garten Ehedem wie Feindesland: Es gibt keine Bienen mehr!
Denn kaum will sich der kleine Mann auch mal ein Stück vom Honigkuchen gönnen, kommen dreiste Kopien daher, die aussehen wie der nette Nachbar von nebenan, aber lästig sind wie ungebetene Gäste, die einem zudem den Kühlschrank leer fressen: die deutsche wie die gemeine Wespe. Hartnäckig fordern sie den süßesten Anteil für sich, ihre Brut, ihre Branche. Sie machen bloß ihren Job - das müssen wir doch verstehen. Daher bloß nicht mit Argumenten totschlagen, höchstens verständnisvoll zum Nachbarn schieben. Schließlich gehört ihr Giftstachel zum Geschäftsmodell.
Denn sie haben es längst nicht mehr auf unser Leitungswasser abgesehen. Sie wollen nur noch den Latte-Macchiato-Schaum auf unserem Tafelsilber. Und wenn sie könnten, sie nähmen den Teakholz-Tisch gleich auch noch mit - untrügerisches Zeichen einer freien Landwirtschaft!
Und während im Staatskinderprogramm noch die kesse Biene Merkel mit ihrem tumben Westerwilli herumtollpatscht, werden direkt vor unserer Balkontür neue Arten und Sorten heimisch, die einst jedem Unkraut Ehre gemacht hätten: die Rettungswespe, der Wespenschirm und das Wespenpaket. So haben wir alles, nur keine Wespenkrise. Was bleibt, ist die bittersüße Bauernopferregel: Wir müssen alle die Wespentaille enger schnallen!

 

Juli: Gleiches Schlecht für alle!

Ferienzeit ist Saure-Gurken-Zeit. Dachte sich wohl auch Norwegens Wut-Wicki und versuchte, als the real saure Gurke das Erbe seiner EHEC-Kollegen anzutreten und gehörig Scheiße zu produzieren. Hierzulande unvorstellbar. Schließlich kennen wir saure Gurken in Polizeiuniform nur von irgendwelchen Castor-Transporten oder S21-Demos.
Doch während das Markenzeichen des Darmkeims ein gestörter Unterleib war, weist sein brother in outlaw eher ein gestörtes Oberstübchen auf: Wer angesichts von 1,9 % Moslems "die Auslöschung der westeuropäischen Rasse" befürchtet, dem geht die Diagnose "Kreuzfeldzug-Jacobsen" glatt durch die braunen Hirnlappen. Andererseits ist es logisch, sich bei Sorgen um die Zukunft verstärkt an Jugendliche zu wenden. Und nicht jeder mag darauf warten, dass sich die Sozialdemokratie so wie bei uns (von) selbst erledigt.
Aber schön, den Islamisten endlich mal gezeigt zu haben, dass auch Christen fundamental einen an der Waffel (hier: Hostie) haben können. Schließlich fußt deren Religion auf den mörderischen Kreuzschmerzen von Gottes Sohn. Gut, auf der nach oben offenen Terror-Skala ist 'wehrlose Jugendliche abknallen' jetzt nicht ganz so hoch einzustufen, wie 'sich selbst in die Luft jagen'. Auch wenn Osama lieber fliegen ließ, als sich selbst die Finger blutig zu machen.
Allerdings würde sich selbst Bin Baden allein beim Gedanken, auf die eigenen Leute loszugehen, im Grabe umdrehen (Vorsicht: Tsunami-Gefahr!). Das hat bislang nur unser kleiner Freund aus Österreich mit der hystherrischen Sprechweise gebracht - der hatte ja bekanntlich auch ein Faible für krude Bücher, Uniformen und Lager.
Ferienzeit ist Schützenfest-Zeit. Und ist es nicht ein kleines Wunder, dass ein ordentlicher Rausch nicht viel öfter im Blutrausch endet? Nein, denn nur gemeinsam sind wir stark. Und siehe: Jesus (über)lebt! Oder auf Multikulti: Bei Allah Liebe!

 


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Juni: Wir sind Griechenland!

Liebe Griechen, ja Ihr beiden, mit dem lustigen EU-Sterne-Hakenkreuz-Plakat! Wenn Sarkozy und Merkel wirklich Nazis wären, dann wärt Ihr beiden längst, na wo wohl? Und mal ehrlich: Euer Land macht derzeit nicht gerade den Eindruck eines Arbeitslagers! Außerdem kennt sich unsere Kanzlerin bestens mit blühenden Landschaften aus. Auch ein staatsdominiertes Wirtschaftssystem, eine komische Sprache sowie eine immense Staatsverschuldung ist für sie doch ein alter Panama-Hut. Ihr seht: Wir haben im Osten seit Jahren längst unser eigenes Griechenblank und sind deshalb geradezu prädestiniert, auch Euch zu sagen, was Ihr gefälligst zu tun habt. Außerdem kackt man nicht auf die Hand, die einen füttert.
Daher folgender Vorschlag: Der Ausfall sämtlicher Griechenland-Kredite kostet Deutschland rund 75 Mrd. Euro - da kommt uns ein Begrüßungsgeld erheblich billiger! So findet endlich zusammen, was zusammen gehört: Aldi-Nord und Soli-Süd. Ihr reißt die Mauer ab (Free Zypern!), lasst (wie wir) die Türken die Drecksarbeit für Euch machen, und übergebt die Reste Eurer Produktionsstätten der KfW - die kennt sich schließlich aus mit Abschreibungen. Und der Karriere Eurer besten Bilanzfälscher und Steuerhinterzieher steht bei uns auch nichts im Wege. Vorausgesetzt, sie lassen Eure kümmerliche Art der Landschaftspflege ("ein Ouzo für meine guten Freunde") gleich mal im Pauschal-Flieger!
Als kleine Gegenleistung wird Kriechenland nebst billigem Anhang zu unseren GaNeBuLä (ganz neue Bundesländer). Das heißt, Ihr legt schon mal die Handtücher für uns aus und haltet das eine oder andere Kaltgetränk in unseren neuen (also Euren alten) Ferienhäusern für uns bereit. Aber eines schlagt Euch ganz schnell wieder aus dem Stur-Kopf: Euer Papa Ndreou wird niemals unsere neue Mutti Merkel werden. Den Fehler machen wir nicht noch mal!

 

Mai: Der König ist tot!

Ja darf man denn das? Sich einfach mit ein paar Kumpels zu einer Mords-Gaudi verabreden, mit Schießbefehl und Mauerschützen in fremdes Terrain eindringen und dann einen der gefährlichsten Männer des Landes mit einer ordentlichen Ladung Kopfschmerztabletten zum endgültigen Abtauchen zwingen?
Gut, dass der Westerwelle 'nen Kopfschuss hat, das haben wir ja schon lange gewusst. Und im Zusammenleben mit seinen drei Frauen (Rösler, Lindner, Bahr) waren statt liberaler Praktiken eh nur noch lustlose Terror-Akte an der Tageshackordnung. Gerecht so! Schließlich sorgt das friendly fire der FDPakistan dafür, dass unser neuer Außen-vor-Minister in Zukunft schön auf dem fliegenden Teppich bleibt - ganz ohne Bleivergießen.
Mullah Merkel beteuerte sogleich, was der falsche Prophet privat so treibe, gehe sie zwar nichts an. Aber sie freue sich, dass einer der Köpfe des internationalen Terrorismus, der so vielen Menschen schon das Leben gekostet habe, gedingst - na, jetzt komme ich nicht auf das Wort - wurde. Das müsse man in Deutschland doch noch sagen dürfen.
Auch die Firma Apple wies treffsicher darauf hin, dass an der Ortung seines Telefons nicht das neue spyPhone beteiligt gewesen sei - aber vielen Dank für die Idee.
Den schrägen Vogel letztlich abgeschossen hat der amerikanische Osama, genauer gesagt der Osama im Obama, also der Obama unter den Osamas. Nach seinem Blockwart-Buster "Guantanamo wie es singt und lacht" stellte er nun sein neuestes Splatter-Movie "Mord meets Gerechtigkeit" der entzückten Weltöffentlichkeit vor. In der Hauptrolle Hollywoods schönste Wasserleiche (nein, nicht König Knut), Wosama denn Baden, mit seinen legendären letzten Worten: "Lieblinge, wem gehört eigentlich das Blut auf dem Teppich?" And the winner is...

 

April: Die reine Leere

Angela Merkel ist ja gerade tierisch gut drauf. Denn dank des japanischen Bildungspakets ‘Fukushima 1-4‘ hat sie eine neue Bewusstseins-Stufe erreicht: Du kannst alt werden, wie ‘ne dumme Kuh und lernst immer noch dazu!
Gestern noch sitzt sie als personifiziertes Atomium im Fernsehen und sagt: „Wenn deutsche Atomkraftwerke nicht sicher wären, müsste ich die als verantwortungsvoller Kanzler ja sofort abschalten lassen.“ Und was macht sie am nächsten Tag? Verhängt ein dreimonatiges Moratorium, um die Sicherheit unserer AKWs überprüfen zu lassen! Hallo? Ist das noch Nirwana oder schon Wirrnana? Konfusius sagt: Man denkt sich ja sonst nichts.
Gut, früher reichte noch ein brennender Dornbusch, um dem Philosophen Moses geistig auf die Sprünge zu helfen. Bei einer gelernten Physikerin muss es da schon der eine oder andere brennende Reaktor sein, um zu erkennen, dass Tschernobyl auch heute noch jede Gedenkminute wert ist. Und es hat Bumm! gemacht…
Man kann also sagen: Für Angela Merkel war Fukushima sowas wie der zweite Bildungsweg. Manch einer muss halt erst vom Bus überfahren werden, um zu erkennen, dass man bei Rot nicht über die Straße gehen darf!
Wir sollten den Japanern also für die Fortbildung unserer Kanzlerin dankbar sein. Der deutsche Atomausstieg ist damit in greifbare Nähe gerückt. Von der Brücken- zur Krückentechnologie.
Warum es dafür allerdings eine Ethik-Kommission braucht, bleibt ihr strahlendes Geheimnis. Ich dachte immer, die Ethik umfasst die sittlichen und moralischen Grundsätze einer Gesellschaft? Vertretern der Atom-Industrie die Ethik zu überlassen ist doch genauso absurd, wie Hannibal Lecter zum Chefkoch eines Nonnen-Klosters zu ernennen! Aber wahrscheinlich ist meine Sorge ganz unbegründet: Die Jungs kochen doch auch nur mit Kühlwasser!

 

März: Von Plums- und anderen Säcken

OH MEIN GOTT! Kaum ist die eine Lichtgestalt erbärmlich baden gegangen (zwar nicht mit weißer Fellweste, dafür aber kalt lächelnd), da folgt ihr schon die nächste! König Knut, die Lady Di unter den Eisbären, ist von uns geplumst. Nicht gerührt, nur geschüttelt, und dann stilvoll (also wortlos) abgetaucht. Smoke in the water. So macht man das!
Ein Racheakt Gaddafis oder doch nur ein harmloses japanisches Strahlenopfer? Auf jeden Fall eine Katastrophe für die hiesige Presse. Denn die hätte uns zu gern noch seine Memoiren verkauft. Zukünftige Nachahmungstäter beachten daher bitte das erste Mediengebot: Erst Biographie, dann Autopsie!
Gut, bei allen Dreien eine gewisse Gehirnerkrankung und zuviel Stress im Gehege zu diagnostizieren, dafür braucht es keinen Pathologen! Nun gilt unsere ganze Sorge dem übrigen Berliner Wasserkopf: Können wir es uns wirklich leisten, unsere Regierung in einer Stadt zu lassen, deren Bürger zunächst ein Kondolenzbuch für ein totes Zooteltier auslegen, dann eine Todesanzeige schalten und nun noch ein Tapferes-Kriegerdenkmal in schmutzig-weiß für Deutschlands prominentesten Gefangenen planen? Was kommt als nächstes? Bauen die etwa die Klagemauer wieder auf?
Oder wird gar umgekehrt ein Fellschuh draus: Strahlt unsere Regierung mehr, als viele im Kopf aushalten? Und sollte die nicht lieber in ein umzäuntes Gehege zur Beobachtung…? Fragen über Fragen. Fest steht: Ein Eisbär ist auch nur ein Mensch. Und der verdient einen letzten (gereimten) Gruß:

Der Eisbär, der Eisbär, der ist bald nicht sehr weiß mehr.
Denn ist das Eis mal weg, dann fällt er in den Dreck!

 

Februar: Doktorspiele

Na und? Die einen sammeln Vornamen als gäb's kein Morgen, die anderen halt Titel. Und haben wir uns nicht alle schon in frühester Jugend (also mit Mitte Dreißig) bei schlampigen Doktorspielen schwerer handwerklicher Fehler sowie des Amtsmissbrauchs schuldig gemacht? 
Gut, auch wir mussten für so manchen wissenschaftlichen Dienst teuer bezahlen. Denn manchmal stellte sich erst Jahre später raus, dass die dabei gewonnenen Erkenntnisse auf falschen Tatsachen beruhten und heimlich ein enger Kontakt zu fremden Informantinnen bestand. Trotz aller Beteuerungen, derartige Vorwürfe seien abstrus. Die Folgen: Scheidung, Namenswechsel, Pressekonferenz vor treu Gebliebenen, kurz: Ausheulen genannt.
Zugegeben, vielleicht ist uns untenrum mal was durcheinander geraten, und man ist morgens plötzlich in einem fremden Schlüpfer aufgewacht. Aber bei der Mehrfachbelastung von Frau und Freundin kann man zwischen Kopf- und Fußnoten, Lesen und Schreiben, eigener und staatlicher Verfassung schon mal durcheinander kommen – oder etwa nicht?!
Und der eigenen Unterschrift traut man selbst doch schon lange nicht mehr!
Mutti sagt, solange wir immer schön aufessen, sei es ihr egal, ob wir nebenbei Massenmörder, Kinderschänder oder Doktor der Abschreibung sind - sie hat uns trotzdem lieb, das verkommene Luder. Vorausgesetzt, wir stecken sie nicht mit den gefährlichen Promo-Viren an, von denen bleibt nämlich immer irgendwas hängen.
Und dann muss man wieder drauf hoffen, dass auf Facebook eine Seite mit über 10.000 Fans zur Ehrenrettung (!) auftaucht, die einem dann bestätigen, zwar ein Sauhund zu sein, aber dennoch und gerade deshalb ganz in Ordnung. Who the fuck is Käßmann? Hauptsache, die eigene Sehnsucht nach einer heilen Welt bekommt keine Risse.
Uns soll's rechtsbeugend sein. Schließlich hat man in einem Land, in dem ein Steuerhinterzieher Finanzminister werden kann, längst mehr abgeschrieben, als das bisschen Anstand und Moral. Deutschland, einig summa cum klaude-Land. In diesem Sinne: Wir sehen uns - vor dem Jüngsten Gericht! Allerdings gilt auch da: Wo kein Richter, da keine Klagen!

 

Januar: Staying Alive!

Über Krankheiten spricht man nicht, es sei denn, sie haben ihr Gutes. Und nachdem sich viele Opfer mieser Attackenvon eine zeitlang flach gelegt haben, wollte ich ihnen in nichts nachstehen und habe mich ebenfalls für rund zwei Wochen in die Horizontale begeben. Allerdings war die vermeintliche Grippe gar keine, sondern eine bakterielle Entzündung. Da der Höchstwert beim CRP-Parameter 5 beträgt, mein Wert aber bei 380 (!) lag, kann ich das Leben nun aus einer ganz anderen Perspektive betrachten. Aber so schnell werdet ihr mich nicht los!
Daher kommt der "Tor des Monats" Januar in einem anderen Gewand daher, nämlich als Songtext. Denn eins ist klar: Über gewisse Dinge kann ich mich (derzeit) nicht mehr aufregen. Daher weiß ich auch nicht, wie es mit dieser Rubrik weitergeht. Vielleicht sollte ich auch einfach eine Religion gründen und mich als Guru an die Spitze setzen? Motto: Schlafen für den Weltfrieden. Naja, jedenfalls werde ich alle Beteiligten wie Unbeteiligten auch weiterhin irgendwie mit meinen krusen Gedanken belästigen. Anbei das Produkt einer kleinen Fieberphantasie, geschrieben nachts um drei und demnächst in meinem neuen Programm zu hören. Na denn: Alles Gute!  

Der Virus

Str.1   
In der weiten Welt, da bin ich zuhause.
Ich bin klein, aber gemein.
Und nimmst du mal wieder eine Datenbrause
schlüpf ich heimlich hinten rein.

Seh dir zu, wie du rechnest, schreibst und grübelst,
was du anhast, wo du cklickst.
Bin dabei, wenn du einkaufst, liest und textest,
wie du popelst, wie du wichst.

Ref.    
Boom, boom, boom, schlägt mein Herz an deine Fenster,
Boom, boom, boom, schlägt mein Herz an deine Tür.
Boom, boom, boom, langsam nimmst du mich zur Kenntnis,
Boom, boom, boom, jetzt treib‘ ich es bunt mit dir.

Str.2   
Lege mich in deiner Software auf die Lauer,
mein Vater war bestimmt ein Held.
Ist uns‘re Freundschaft leider nur von kurzer Dauer,
kost‘ ich dich Nerven, Zeit und Geld.

Ref.    
Boom, boom, boom, schlägt mein Herz an deine Fenster,
Boom, boom, boom, schlägt mein Herz an deine Tür.
Boom, boom, boom, jetzt beginnst du mich zu jagen,
Boom, boom, boom, endet meine Zeit mit dir.
Boom, boom, boom, jetzt gehst du mir an den Kragen,
Boom, boom, boom, danke für die Zeit mit dir.
Boom, boom, boom…

 

Dezember: Zur Hölle, Frau Holle!

Als 'heißer Typ' mag ich den Winter eher in überschaubaren Größen, z.B. als Eiswürfel in meinem Cocktail. Und wenn ich unbedingt mal frösteln will, dann reicht mir ein Gedanke an unsere Bundesregierung. Und bloß weil es schön aussieht, wenn alles so verschneit ist und die Hundehaufen wie Leberflecken auf der Alabasterhaut der Großstadt wirken, muss ich mir noch lange nicht den Arsch abfrieren. Kriegt man den gleichen Effekt nicht mit einem farblich ansprechenden PU-Schaum genauso hin? Ich will Pan Tau-Wetter!

Aber nein, Der weiße Riese muss sich landesweit mal wieder so richtig auskotzen! Und macht den Hinter- zum Kachelmann: Bloß weil mein kleines Renntier mit qualmendem Schweif an der Ampel steht, heißt das noch lange nicht, dass es von irgendwelchen präpotenten Macho-VWs besprungen werden will! Super, da haben mir die neuen Winterreifen ja toll geholfen. So sicher habe ich noch nie am Straßenrand zwei Stunden auf die Polizei gewartet.

Und jetzt sage keiner, der Winterdienst sei nicht gut vorbereitet gewesen: Immerhin ist dieses Jahr erst nach drei Wochen das Salz ausgegangen. Dafür bekommt man derzeit jede Menge tollen Wintersport geboten: Todesmutig stürzen sich rüstige Schneehasen und -leoparden auf ungeräumte Bürgersteige, als handele es sich dabei um die Buckelpiste ihres Lebens. Wedeln dank winterbereifter Rollatoren gekonnt um festgefrorene Hundehaufen, nutzen jede Schieflage, um mit halsbrecherischen Manövern dampfende Spuren ins graue Weiß zu brennen, um schließlich kurz vor dem Erzielen einer neuen Bestzeit (100 Meter in 3 Stunden) an der nächsten Ecke von einer lustigen Dachlawine erschlagen oder zu Tode erschreckt zu werden. Tja, Sport ist Mord und der Rentner das Fallobst des Winters!

Also gut Petrus, du (bzw. deine Frau Petra) hast ein Tief. Aber wenn du nicht bald wieder ein' Hoch kriegst, wechsel ich zu einem Wetteranbieter aus Cuba (wehe, der Flieger geht nicht). Die haben zwar eine Hurrican-Saison im Tarif, aber Hauptsache der Wind ist WARM!

(P.S. Ein Gutes hat die Sache dann doch: Jetzt rät selbst die Bahn vor Fahrten mit ihr ab!)

 

November: Hey hey Wiki, hey Wiki hey...

Nicht immer, wenn sich kleine Jungs die Nase reiben, kommt auch etwas Tolles dabei raus. So übertreffen die von Wikileaks als 'sensationell' betitelten Enthüllungen von Wikileaks selten das Niveau „Schnodder am Ärmel der Geschichte“.
Es war schon wenig verwunderlich zu erfahren, dass im Irak-Krieg auch bei den „Guten“ das Böse zutage trat. Welche Wahrheit sollte über einen Krieg, der von Anfang an auf Lügen beruhte, schon zu erfahren sein? Foltern gefährdet die Gesundheit?
Jetzt werden Politiker mit 'peinlichen' Attributen belegt, die in jedem fundamentalistischen Treppenhaustalk mangels Zündstoff längst als Minimalkonsens gelten. Warum auch sollte einem US-Diplomaten bei unseren Spitzenkräften das entgehen, was bereits seit Jahren zum Repertoire eines jeden ordentlichen Waschweibs gehört? Doch gerade bei unsicheren Quellen muss man auch zwischen den Zeilen lesen können. Eigenschaften wie: selten kreativ, eitel, inkompetent, aggressiv, unberechenbar, mit begrenztem Horizont und eine schräge Wahl zeigen nur eins: Der deutsche Wähler hat halt doch Humor (Ironie/Sarkasmus/Zynismus/einen an der Waffel - bitte das Passende unterstreichen)!
Zudem werden schon Monate im Voraus werbewirksam neue Skandale angekündigt, als plane Toyota erstmals ein mängelfreies Modell auf den Markt zu werfen. Es gibt wohl kaum noch 'ungeheuerliche Übertretungen' und 'unethische Praktiken' aus dem Bankensektor, die eine kopfschüttelnde Öffentlichkeit nicht bereits zur Kenntnis genommen, verdaut oder verdrängt hätte. Denn auch hier gilt die Standard-Frage aus jeder besseren Alf-Folge: "Was hat er wieder angestellt, und was wird es uns kosten?"
Nee Wiki, deine Enthüllungen sind so spektakulär wie die Feststellung, dass meine Nachbarin stinkend-faul ist (also seit Monaten tot), oder dass Horst Seehofer, Franz Beckenbauer und Boris Becker auf eine alltägliche Frage überhaupt keinen Bock mehr haben: „Sammeln Sie Treuepunkte?“

 

Oktober: Knüppel aus dem Säckle

Mensch Ländle, was ist denn bei euch los? Ich verstehe nur noch Kopfbahnhof! Bahnchef Grube sagt, euch fehlt das demokratische Recht zum Protest. Da hat er Recht - jedenfalls, was sein Verständnis von Demokratie angeht. Denn er meint: Der Protest gegen S21 kommt zu spät, das Ding ist parlamentarisch längst abgewickelt - was ja nicht unbedingt was mit einem demokratischen Prozess zu tun haben muss (im Gegensatz zu Wasserwerfern, Pfeffersprays und Gummiknüppeln).

Oettinger wollte sich ein Denkmal bauen. Und da er sein Leben lang nur Bahnhof verstanden hat, konnte das Ding gar nicht groß genug ausfallen. Deshalb wurdet ihr auch nicht gefragt. Man spricht ja nicht umsonst bei Wahlen davon, seine Stimme abzugeben. Und die Politik macht dann damit, was sie will - oder eben, was die Wirtschaft will. Deutsche Demokratische Republik halt. Bleibt nur zu hoffen, dass die Demokratie, die Ohrfeige, die sie da erhalten hat, bei der nächsten Landtagswahl mit einem kräftigen Tritt in den Arsch von Mucki-Mappus (Rechtsausleger) beantworten wird.

Doch machen wir uns nichts vor: Der Bahnhof wird gebaut wie geplant - wenn auch zum doppelten Preis wie geplant (kleiner Gruß an den Citytunnel Leipzig!). Und wofür das alles? Um eine halbe Stunde früher in Ulm zu sein! Dabei will der Stuttgarter gar nicht nach Ulm, er muss höchstens mal hin - und da kann es ihm gar nicht langsam genug gehen. Aber dafür wird ja jetzt verhandelt. Zum Beispiel über den Alternativ-Vorschlag, den Bahnhof oben zu lassen, dafür aber den Rest von Stuttgart unter die Erde...

Doch wenn es selbst dem braven Baden-Württemberger mächtig aufs Säckle geht, auf der einen Seite immer mehr zur Kasse gebeten zu werden, während auf der anderen Seite Banken, Hoteliers und die Atomindustrie die Milliarden vorne und hinten reingesteckt bekommen, dann hat dieser Protest gesamtdeutsche Relevanz. Schließlich ist Basta-Politik meistens Zasta-Politik! Insofern geht es in Stuttgart um mehr als nur einen Bahnhof und ich möchte euch meine uneingeschränkte Solidarität aussprechen. Ich selbst bin zwar zu faul zum demonstrieren, aber ich finde es immer gut, wenn andere es machen. Ärzte jetzt mal ausgenommen (Obwohl, für 'ne Milliarde mehr ließ auch ich mich eventuell überreden).

Daher rufe ich euch zu: Die Reihen fest geschlossen. Vorwärts immer, rückwärts nimmer. Niemand hat die Absicht, einen Bahnhof zu errichten. Ein Baum fällt selten allein. Von den Ossis lernen, heißt siegen lernen. Und: Ich liebe euch doch alle!

 

September: Ein Platz an der Sonne

Endlich macht die Politik wieder Spaß - auch wenn man nicht so genau weiß, ob es sich dabei um heiteren Zynismus oder eine unfreiwillige Komik handelt! Die neueste Lachnummer kommt diesmal aus dem Hause von der Leier. Nein, gemeint ist nicht die geplante Umbenennung von "Hartz IV" in "Basisgeld". Denn getreu ihrem Motto: "Auch aus den Steinen, die man in den Weg gelegt bekommt, kann man etwas schönes bauen" stellte die kalt lächelnde Blonde aus dem Arbeitsministerium die neuen Regelsätze für unsere Spaßbremsen aus dem Prekariat vor.
Und wie bei einem guten Witz über das menschenwürdige Existenzminimum, der einen bewußt auf eine falsche Fährte lockt, um dann mit einer gelungenen Pointe zu überraschen, war erst von einer Erhöhung von 40 EUR die Rede (gut, die Partiätischen haben halt keine Ahnung), dann von 20 EUR (gut, unser Kanzlerinnenversuch hat halt keine Ahnung), bis uns schließlich der stolze Betrag von 5 EUR die Freudentränen in die Augen trieb (gut, wir haben halt keine Ahnung). So nah können Erhöhung und Erniedrigung beieinander liegen (zumal wenn man die Streichliste des letzten Sparpakets mitbedenkt: Heizkostenzuschuss, Kindergeld, Rentenbeiträge).
Erst hatten wir nur die spätrömische Dekadenz, jetzt kommt auch noch ein Platz an der Sonne hinzu! Und der war selbst einem Diogenes heilig. Schließlich bewies der schon vor Jahren, dass man es auch mit einem Leben in der Tonne zu einem eigenen Verlag bringen kann. Und da war von Alkohol und Tabak auch nicht die Rede, allerdings in gewisser Weise vom fernsehen (was zudem das wesentlich effektivere Narkotikum darstellt).
Entscheidend ist also, was man draus macht. Drum flugs den Heiermann beim Schopfe gepackt, und dann ab zu KIK, den Aufstockern beim Arbeiten zusehen, geil! Wer sagt denn, dass man Armut nicht exportieren kann? Zwischendurch eine kleine empirische Erhebung machen, wie die denn mit 128 EUR im Monat für's Essen auskommen. Oder mal an die Deutsche Gesellschaft für Ernährung schreiben, dass nicht etwa 2 Liter pro Tag, sondern 17 Liter im Monat zum gesunden Überleben reichen. Sich einbringen in die Gesellschaft halt.
Obwohl, das ist gar nicht ihr Job! Denn die Hartz IV-Empfänger werden ja nicht dafür bezahlt, keine Arbeit zu haben (von den 25% mit Job mal abgesehen). Sondern sich damit abzufinden, nicht mehr gebraucht zu werden, ohne öffentlich zu randalieren oder sich kriminell zu beschäftigen. Und als Prügelknabe sowie abschreckendes Beispiel für alle noch Arbeitenden zu dienen, damit die weiterhin klaglos ausbeuterische Arbeitsbedingungen und Niedriglöhne akzeptieren.
So ist es halt für Mrs. Ausgemerkelt leichter, in China Menschenrechte einzuklagen, als in der Heimat die Menschenwürde (und damit die Rentenkasse) mit einem Mindestlohn zu verteidigen. Hoffentlich weiß die Linke diesmal, was die Rechte tut.

August: Elektro-Schocks

Boah, gehen die mir auf den Sack! Die "vier Besatzungsmächte" (R. Künast), die "vier Muskeltiere" (Frontal 21) oder die "vier glorreichen Sieben" (ich?) machen mächtig auf dicke Hose und bemerken dabei gar nicht, dass sie mal wieder das dickste Tier im Porzellanladen sind.
Natürlich war es ein riesen Fehler der Bundesregierung, aufgrund klammer Kassen die Büchse der Pandora zu öffnen, und den Atomausstieg wieder infrage zu stellen. Auch wenn die Idee nach einem - für den normalen Steuerzahler - fairen Deal klang: Von den weiteren Gewinnen, die ihr dadurch macht, bekommen wir ein Drittel (also 2,3 Mrd. €). Aber da hatte die Politik die Milchmädchenrechnung ohne den Energiewirt gemacht! Denn der erstattete ganzseitig Anzeige und stellte lamoryant fest: "Ach nee du, dann rechnet sich das Ganze für mich nicht mehr. Mach' ich den Laden halt zu."
Und da war er, der Punkt, auf den wir jahrelang gewartet hatten und auf den wir ohne finanzielle Hintergedanken freudig hätten antworten können: "Noch so'n Spruch, Meilerbruch!" Oder: "Kein Problem, ihr Spacken. Wenn ihr versprecht, dann auch noch das Land zu verlassen..."
Stattdessen fühlt sich unsere oberste Schwachstrom-Beauftragte gar nicht angesprochen (Merke: Erpressbar ist nur, wer was zu bieten hat), lobt eifrig die Transparenz der Leipziger Strombörse (gemeint war wohl, dass seit Jahren bekannt ist, dass die Energiekonzerne den Preis durch Angebotsverknappung künstlich hoch halten, und tatsächliche Preissenkungen von 30 % eben nicht an die Kunden weitergeben, wegen armer Sau oder lohnt nicht oder so.) und redet die erneuerbaren Energien künstlich klein (die heute schon mehr Strom produzieren, als - welch Wunder - das Netz der Stromkonzerne aufnehmen kann, auch das Modell "Duisburger Tunnel" genannt).
Und es braucht gar keinen Hinweis auf einvernehmlich geschlossene Verträge zum Ausstieg, fehlende Endlager und unkalkulierbare Risiken um zu fordern: Machen wir es den Frauen gleich und emanzipieren uns von den Versorgern. Und nun: Licht aus zum Gebet!

 

Juli: Ich kann(s) nicht mehr hören!

Es ist schon erstaunlich, wie viele Personen an einer Tragödie beteiligt sein können, ohne mit ihr irgendetwas zu tun zu haben. So zeigte sich in den Reaktionen auf die zu beklagenden 21 Toten und über 500 Verletzten der Duisburger Loveparade einmal mehr, dass in Deutschland Amt und Würde zwei verschiedene Paar Schuhe sind, von denen immer eines gerade nicht da ist.
Da ich aufgrund des peinlichen Lärms der nachfolgenden Stellungnahmen leider einen veritablen Hörschaden davongetragen habe, beruhen die nachfolgenden Zitate der Unverantwortlichen auf Gedanken- bzw. (wo dies nicht möglich war) auf Lippenlesen, jedoch stets nach meinem besten Wissen und Gewissen...

OB Sauerland: "Nein, ich trete nicht zurück. Nein, ich trete nicht zurück. Nein, ich trete nicht zurück. Warum? Niemand kann die Untersuchung gegen mich so gut durchführen, wie ich selbst. Ich habe auch nichts unterschrieben, unterschreibe nichts und werde auch in Zukunft nichts unterschreiben - dies verbietet mir schon meine unsichere Gehalts- und Pensionslage. Wir wollten die Love-Parade um jeden Preis. Und bei der Frage „Geld oder Leben" haben wir uns dann im Sinne des Steuerzahlers entschieden.
Aber eins muss doch auch mal gesagt werden: Duisburg ist eine Stadt, bei deren Anblick schon vielen die Luft weggeblieben ist - das ist also eine ganz natürliche Reaktion!"

Loveparade-Geschäftsführer Schaller: "Für mich war der ganze Techno-Scheiß eh nur eine PR-Kampagne für meine McFit-Studios. Jedenfalls viel effektiver, als drei Millionen pro Jahr in irgendwelche Anzeigen oder Werbespots zu pumpen. Aber wahrscheinlich war es doch nur eine Million, denn wir haben ja aus Werbegründen alle Zahlen prinzipiell verdreifacht.
Aber eins muss doch mal gesagt werden: Wenn alle Tunneltränen regelmäßig in meinen Mucki-Buden trainiert hätten, wären sie so wie ich problemlos mit dem öffentlichen Druck klargekommen."

Panikexperte Schreckenberg: "Auslöser war, dass sich einige nicht an die Spielregeln gehalten haben - also Besucher natürlich. Eine Panik entsteht immer dann, wenn eigentlich gar kein Grund dafür vorhanden ist. Und ob ein Gang nun ein Eingang oder Ausgang ist, hängt doch nur von der Betrachtungsweise ab: Einfach mal umdrehen - und schon ist alles wieder gut.
Aber eins muss doch mal gesagt werden: Allen Besuchern ging es um tiefe Eindrücke. Und bloß weil die jetzt von einem Eisenzaun kommen, muss man ja nicht gleich Panik schieben. Ich meine, so ein Gittermuster in der Haut ist doch ideal, um sich mit dem Spielen von Käsekästchen die Wartezeit zu verkürzen."

Ruhr.2010: "Die Loveparade trägt das Logo der Kulturhauptstadt. Veranstaltet wurde sie allerdings in Verantwortung der Lopavent in Duisburg. Auch das Motto "The Art of Love" fanden wir toll, äh war uns eigentlich viel zu blöd. „The Art of Love" - das könnte doch auf einem Kondom ebenso stehen, wie auf einem Trauerkranz.
Aber eins muss doch mal gesagt werden: Wir schmücken uns gern mit fremden Blumen. Sind die nur deswegen weniger liebenswert, weil sie auf einem Grab stehen?"

Die Deutsche Bahn: "Entgegen anders lautender Gerüchte war die Bahn leider kein Sponsor der Loveparade. Junge Leute, die freiwillig hinter einem LKW herlaufen, befinden sich schon auf der schiefen Bahn. Auch die Atemnot vieler ICE-Reisender aufgrund ausgefallener Klimaanlagen stellte keine Trainingsmaßnahme zur obigen Veranstaltung dar. Zwar sind auch unsere Sparmaßnahmen unverantwortlich, dafür aber sind wir seit Jahren im Tunnel zuhause.
Aber eins muss doch mal gesagt werden: Wir hätten uns unserer Verantwortung gestellt und alle Toten kostenlos in der 1. Klasse zu einem Friedhof ihrer Wahl transportiert."

Aufkleber24.de: "Den Druckauftrag von 20.000 Aufklebern mit dem Gruppen-Motto "Dance or Die" haben wir im Nachhinein nur äußerst ungern ausgeführt. Schließlich ist Nomen manchmal auch, eben. Daher haben wir uns in einer Sitzung unseres Betroffenheits-Komitees dazu entschlossen, auf eigene Kosten sämtliche Aufkleber mit dem viel weitsichtigeren Band-Namen "Dead can Dance" überkleben zu lassen. Von welchem Sender waren Sie noch mal?"


Aber eins muss doch mal gesagt werden:
Opfer sein in Deutschland heißt, den Tätern den Dreck auch noch aus der Hand fressen zu müssen.

 

Juni: Trööööööööööt!

Natürlich gäbe es Wichtiges aus der Rubrik "Republic Viewing" zu berichten: Über die Qual der Wahl unseres neuen, blassen Bundespräsers, Lenas grandiosen Sieg beim GP Schangsong (jedenfalls im Vergleich zu "Ein bisschen Frieden") oder die erlesene Ausgewogenheit des jüngsten (wohl gemerkt: nicht letzten) Sparpakets.

Aber wozu sich mit komplexen Gedanken das weltmeisterliche Hirn verrenken, wenn man schon mit einem einzigen Ton den Kopf voll haben kann: Die "Posaunen von Jericho", liebevoll auch "Zuluvuela" oder einfach "diese verdammten Scheißdinger" genannt blasen uns noch um den Verstand! Denn bei allem Respekt vor einer fremden Fankultur musste man sich doch erhebliche Sorgen um die Leistungsfähigkeit unserer Kicker machen. Schließlich weiß jeder, dass gerade der Deutsche nur zu Höchstleistungen fähig ist, wenn er angebrüllt (also angefeuert) wird. Demnach: Gut gebrüllt, Löw(e).

Auch wenn wir uns fest vorgenommen hatten, das Thema Diskriminierung in Südafrika ebenso galant zu ignorieren, wie es uns bei der Olympiade in China bereits so trefflich gelungen war, konfrontierte uns der schwarze Mann erneut mit geradezu unmenschlichen Verhaltensweisen: Die Rede ist von Schiedsrichtern, die Fußball mit einem Kartenspiel verwechseln und versuchen. Was einst als "Black Power" begann, ist mittlerweile zum "schwarzen Peter" verkommen. Ab ins (Trainings)Lager mit euch, auf dass euch die Blattern geißlern!

Natürlich ist so eine WM auch dazu da, die eigene Schadenfreude anhand irgendwie ungeliebter Nationen zu trainieren. Aah Frankreich (und tschüss), aah Italien (und tschüss) - aah nee, wieso hat eigentlich Holland die Vorrunde überstanden?? Voodoo, fauler Zauber, internationale Sportwetten oder aus lauter Angst ganz ordentlich Fußball gespielt? Aber die Welt ist halt ungerecht, wie man an den Reaktionen der Engländer auf ihr Ausscheiden sehen konnte: Scheiden sie im Elfmeterschießen aus, gibt's Geheule; schaffen sie es in der regulären Spielzeit, auch?! Na, ein "Verlierer der Herzen" sieht aber anders aus. Ab in eure gute Küche - da fällt Versagen nicht so auf!

Apropos Verlierer: In diesen Zeiten der internationalen Völkerverständigung meldet sich natürlich auch der eine oder andere Vollpfosten zu Wort. Nein, die Rede ist dieses Mal nicht von Peter Scholl-Latour, sondern von den christlichen Politikern Trapp und Ferber, die einen Intelligenztest für Ausländer (also nur die, die in unsere schöne Republik wollen, ohne sich vorher die Füße abzutreten) forderten. Liebe Inländer, wenn Südafrika diesem Grundsatz gefolgt wäre, hätte von der deutschen Fußball-Nationalmannschaft die Hälfte draußen bleiben müssen (ja, auch der Betreuer). Und welch unvergessliche Aphorismen (nebst dem einen oder anderen hässlichen Pokal) wären uns da verwehrt geblieben? Der Kopf ist rund. Das Spiel dauert 3 Minuten länger. Und: Die Runde muss in die Eckkneipe. Ich glaub', ich geh dann mal...

Mai: Rücktrittswochen bei McDeutschland

Eigentlich wollte ich mich ja über den Öligarchen BP und seinen wie geschmiert laufenden Umgang mit dem Ölleck im Golf von Texaco aufregen. Aber dann gab es überraschend auch in der Heimat einige letzte Ölungen zu feiern, aber auch zu beklagen.

Den Anfang machte Jürgen Rüttgersch, der nach der verlorenen Wahl in NRW noch etwas von "klarem Wählerauftrag" dank eines Vorsprungs von 0,Niksch-Prozent lispelte. Nach einem kurzen, feuchten Traum (gemeint ist seine Aussprache!) von einer großen Koalition, bleibt ihm bald nur der Rückzug auf einen ihm adäquaten Posten: den, der politische Bedeutungslosigkeit. Egal, ein Sprachfehler weniger in der Politik.

Dann überraschte Roland Koch mit der Erkenntnis, dass Politik nicht sein Leben sei - was ja wenig überraschend ist für einen, der mit 14 einen eigenen Ortsverein gründete! Den wahren Grund (= Waren-Grund) für seinen Rücktritt - neben Merkels wirklicher Begabung, potenzielle Konkurrenten kaltzumachen bzw. -zustellen - werden wir wohl erst dann erfahren, wenn die Höhe seiner Einkünfte bekannt wird, für die er in die Wirtschaft geht.

Schließlich beeindruckte Hotte Köhler die breite Öffentlichkeit mit dem Gewinn des Sonderpreises "die beleidigte Laberwurst des Jahres". Erst beschwert er sich darüber, dass anscheinend niemand seine Worte zur Kenntnis nehme, dann war ihm auf einmal zu viel Goldwaage im Spiel. Von wegen, die deutsche Wirtschaft wird am Hindukusch verteidigt. Er wird nicht das letzte Opfer bleiben, dass Afghanistan von uns gefordert hat.

Den größten Verlust aber bereitet uns GEORG SCHRAMM, dessen Rückzug aus der bislang besten deutschen Kabarett-Sendung "Neues aus der Anstalt" eine wirklich schmerzhafte Lücke im deutschen Fernsehen und der es umgebenden Wirklichkeit hinterlässt. Egal, ob als renitenter Renter, sanftlebender Oberst, kleinlauter Sozialdemokrat oder schmieriger Pharmareferent: Kaum einer hat so engagiert "Tacheles" geredet wie er - und so sympathisch zur Revolution aufgerufen. Völker hört die Signale nun wieder verstärkt auf Deutschlands Kabarettbühnen.

Bleibt mir zum Abschluss nur ein (ver)letzter, stiller Gruß:
Wenn man seinen Hut nimmt, sollte man darauf achten, dass der Kopf nicht drin hängenbleibt.

April: Asche auf unser(em) Haupt

Was haben der Schläger-Bischof Mixa, der isländische Vulkan Eierkoppfallada und das bankrotte Griechenland gemeinsam? Immer müssen es andere ausbaden!

Jetzt hat's den Lügenbaron von Augsburg also endlich erwischt: Nach Wochen des Leugnens, mosaikhafter Erleuchtungen ("Ich habe nie", "Ich kann nicht ausschließen", "Das war damals üblich") und massiven Betrugsvorwürfen (50.000 DM für private Zwecke von einem Kinderheim abgezweigt), war nach einer Entschuldigung und nachfolgender Watschn aus den eigenen Reihen nun der Rücktritt fällig. Womit endgültig bewiesen wäre: Ja, die katholische Kirche ist eine schlagende Verbindung und ja, man kann jemand zu seinem Glück zwingen.

Der blöde Eierkoppvulkan, dessen Namen keiner aussprechen kann, musste sich ausgerechnet in dem Moment massiv auskotzen, als wir so dringend auf eine neue Lieferung Rosen aus Kenia gewartet haben. Und auf die Pauschaltouristen aus Malle. Dafür ist uns das deutsche Fernsehen mit seinen täglichen Live-Berichten über den augenblicklichen Grad der Leere in einem x-beliebigen deutschen Flughafens wieder neu ans Herz gewachsen: So spannend kann das Nichts sein. Und da ein Unglück selten allein kommt, bot sich unserem Verkehrsmister Peter Rampensauer die Gelegenheit, im abgehackten Redefluss seine tägliche Dosis Verbalasche zu verbreiten. Natürlich mit Sicherheit, denn als geistiger Tiefflieger spielen sich die meisten Probleme eh über seinem Kopf (und Verstand) ab.

Tja, und zu Griechenland, dem wirtschaftlichen Seuchenherd, gäbe es nur einen Satz zu sagen: Athens Taxifahrer treten in einen Generalstreik, um gegen die vollständige Angabe ihrer Einkünfte zu protestieren!
Wo wir mit diesem Pleitestaat schon so weit gekommen sind, warum nicht aus der Wirtschaft lernen, und gemäß einer Bad Bank ein europäisches Bad Land gründen? Bilanzfälschung und Bestechung sind schon da, fehlen z.B. noch die italienische Mafia, österreichische Schwarzgeldwäscher, französische Waffenhändler, holländische Wohnwagen, belgische Kinderschänder und englisches Essen. Nur wir Deutschen wüssten beim besten Willen nicht, was wir dazu beitragen könnten. Andererseits muss den ganzen Haufen ja auch irgendeiner regieren!

März: Unter dem Talar bläst es sich ganz wunderbar

Nein, ich möchte mich nicht ernsthaft mit dem Thema "Kindesmissbrauch durch Geistliche" auseinandersetzen. Es hätte niemand was dagegen, wenn katholische Priester ihre aufgestaute Sexualität mit Gleichaltrigen oder im Puff ausleben würden. Warum die Hexen verbrennen, wenn man mit ihnen auch viel Spaß haben kann? Stattdessen unterliegt der christliche Homo Erectus bei der gleichgeschlechtlichen Jugendarbeit einem kleinen Missverständnis: Das Wort "schutzbefohlen" mahnt nicht zur Verwendung von Kondomen.

Aber die Kirche hat schon immer viel Wert auf den Brauch gelegt, warum sollte es beim Missbrauch anders sein? Schließlich handelt es sich nur um (ein paar hundert) Einzelfälle: jeder Geistliche ein Fall. Was ist das Lieblings-Kleidungsstück von Priestern? Das Deck-Mäntelchen des Schweigens. Dafür blasen es jetzt selbst die Domspatzen von den Kirchendächern: Wenn der Pfarrer die Monstranz hebt, kriegen die Kinder feuchte Augen!
Wenn es um die schwarzen Schafe geht, warum schreibt der Papst dann einen Hirtenbrief? Weil katholische Priester so vielseitig sind: sie knien nicht nur vor Gott, sondern auch hinter den Messdienern, sind also bi-gott.

Bi-Schof Mixa sagte neulich, die Bischöfe wollten sich geistig (also GEISTIG!) der Aufklärung der Missbrauchsfälle stellen. Das verdient gesonderter Erwähnung, denn schließlich ist ihr Geist längst nicht mehr das stärkste Glied in der Kette. Auch ein Exhibitionist ist so eine Art Offenbarung, und sein jüngstes Gericht war erst drei Jahre alt.
In der Kirche wird ja gern gesungen, hier die Top 3 der aktuellen Missbrauchs-Hits: "Süßer die Glocken nie klingen", "Ihr Kinderlein kommet" und natürlich "Morgen Kinder wird's was geben"!

Kommt ein Messdiener zur Beichte und sagt: „Vater, ich habe gesündigt. Ich hatte unkeusche Gedanken - mit meiner Kanzlerin! Muss ich jetzt zur Strafe 10 Angie-Maria beten?" Darauf der Priester: „Beten zur Buße war gestern, heute ist Umdrehen und Hose runter!"

Ich weiß, ich bin pervers und möchte daher alle Betroffenen um Entschuldigung bitten - in zwanzig Jahren.

Februar: Von Männern und Mäusen

Wir haben's ja immer schon gewusst: Guano Westerwelle ist ein Super-Minister. Er kümmert sich nicht nur um die Probleme im Ausland, nein, er sorgt auch bei uns für welche. So hat er kurzerhand (also kurzerhirn) das Arbeitsressort mit übernommen und allen Hartz-IVlern eine kleine Abmahnung bezüglich ihres anstrengungslosen Wohlstands sowie ihrer Neigung zu spätrömischer Dekadenz zugestellt.
Nun gehört schon eine ganze Menge Sozialneid dazu, ein staatlich festgelegtes Existenzminimum von 345 EUR als Wohlstand zu bezeichnen - zumal wenn man als Minister selbst vom Staat lebt! Und zwar in einer Form, bei der das Wort Wohlstand wohl eher angebracht zu sein scheint. Und die Anstrengungen seines Jobs sieht man ihm auch nicht an - der sah schon vorher so aus! Einzig sein Englisch zeigt seine tiefe Verbundenheit zu den bildungsarmen Schichten...
Aber wahrscheinlich wollte Guano nur von anderen Opfern des Sozialismus ablenken, deren Daten neuerdings zu finanzamtspolitischen Marketingzwecken auf CDs gekauft werden können. Zu deren Ankauf äußerte sich unser sonstiger Dampfplauderer übrigens skeptisch. Wahrscheinlich war er nur beleidigt, für die Veröffentlichung seines Telefonbuches keine Tantiemen zu erhalten.
Apropos Hoteliers. Hier ein kleiner Tipp für alle, die den spätrömischen Hals nicht voll bekommen: Wie wir gelernt haben, kostet ein Gesetz bei der FDP ca. 1,1 Millionen. Das bedeutet für die rund 6,5 Millionen Hartz-IV-Empfänger einen Spendenbeitrag von nur 20 Cent pro Person, um sich damit z.B. die Erhöhung Ihrer Bezüge zu sichern (und dann bleibt immer noch was übrig für einen kleinen Nachschlag im nächsten Jahr)! So einfach kann Demokratie mit ein wenig unternehmerischem Willen sein! Danke Guano - auch für's Feindbild (also Dich)!

Januar: Die Rückkehr der Schäuble-Ritter

Es passiert ja nicht oft, dass einen die schlechten Nachrichten von der neuen (?) Bundesregierung noch schocken können. Wie, die FDP lässt sich für 1,1 Millionen von den Hoteliers schmieren (ich dachte, dafür bekäm man die ganze Partei?!)? Jetzt versteht man wenigstens deren Mehrwertsteuer-Geschenk, das beruhigt.
Dann aber kroch aus heiterem Schnee-Himmel das Grauen in die deutschen Lohntüten. Was klingt wie eine Mischung aus Sturmtief und ukrainischer Putzfrau, ist der jüngste Angriff auf die Privatsphäre der Bürgerrechte: Elena, der Arbeitnehmer-Nacktscanner.
Was muss sich unser Schulden-Schäuble in den durchgesessenen Ex-Innenminister-Arsch beißen, dass er diese Attacke nicht persönlich rollen, nee reiten darf. Als bekennender Freund der Vorratsdatenspeicherung wird hier in Zusammenarbeit mit der persönlichen Identifikationsnummer endlich die schmerzliche Lücke zum gläsernen Bürger geschlossen: Ob Gehalt, Fehltage, Abmahnungen, Kündigungen oder persönliche Bewertungen - hier wird erstmal alles gesammelt, was später noch (und nicht nur vor Gericht!) gegen sie verwendet werden kann.
Aber Gott sei Dank sind in unserem Land die Daten genauso sicher, wie die Renten. Deshalb ist es ja auch gar nicht vorstellbar, das neben Arbeitgebern, der Bundesanstalt für Arbeit, den Krankenkassen und der Rentenversicherung irgendwelche Dritte (Hoteliers, Versicherungen, Banken und nicht zuletzt: die Arbeitgeber) Zugang zu den Daten bekommen könnten. Es sei denn, sie zahlen dafür oder klauen die Daten gleich unbemerkt.
Und damit hier keiner auf den Gedanken kommt, dass eventuell gleiches Unrecht für alle gelten soll: Bloß weil der normale Bürger seine Leistung elektronisch nachweisen muss, heißt das noch lange nicht, dass sich auch unsere Politiker einem derartigen Leistungsdruck aussetzen müssen: deren Leistung ist mit Nullen und Einsen nicht darstellbar - jedenfalls nicht vor dem Komma!

Dezember: Der Gipfel der Unverschämtheit

War Kopenhagen bislang durch so unwichtige Details wie die Heimatstadt von Carlsberg, Hans Christian Andersen und den Fußballern von Brondby IF ausgewiesenen Experten bekannt, so ist nun ein neues unwichtiges Detail hinzugekommen: der Klimagipfel.
Über 500 Regierungschefs nebst ihren interessenstarken Helferlein sorgten dafür, dass sich die heiße Luft ihrer Flugzeuganreise verlustfrei in eine Abschlusserklärung recyceln ließ. Was soll man als einigermaßen normal denkender Mensch davon halten. Während viele Privatleute versuchen, sich mittels umfangreicher Versicherungen den bekannten und möglichen Risiken der Zukunft zu stellen, scheint die Menschheit noch nicht dazu in der Lage, über den eigenen Schatten bzw. die eigenen Interessen hinausschauen zu können.
Darum hier ein weiterer, unangemessener Nazi-Vergleich: Während die Kinder der berühmten "Generation Braun" ihre Erzeuger nach dem 2. Weltkrieg fragen mussten, warum sie wider besseren Wissens nichts gegen den massenhafte Vernichtung von Mitmenschen getan hätten, könnten wir in die missliche Lage kommen, das Verschwinden von Holland, den Malediven und der Arktis (nebst den daranhängenden paar Millionen Weggespülten) erklären zu müssen.
Bleibt "Otto Normal" nur zu hoffen, dass er keine Kinder hat, selbst rechtzeitig stirbt, und es um Himmels Willen keine Wiedergeburt gibt! Aber die Unterwasserwelt soll ja auch ganz schön sein...

November: So, Jung, kommen wir nicht mehr zusammen

Nun haben wir auch den ersten Kollateralschaden der neuen Regierung ohne großes Bedauern zur Kenntnis nehmen können. Nach nur vier Wochen musste auch Franz Josef Jung einsehen, dass der Krieg in Afghanistan (der ja bekanntlich gar keiner ist) zivile Opfer gefordert hat: nämlich einen Generalinspekteur, einen Staatssekretär und ihn selbst.
Selten hat ein Minister so glaubwürdig dargestellt, dass er von Tuten und Blasen keine Ahnung hat: "Ich habe sowohl die Öffentlichkeit als auch das Parlament über meinen Kenntnisstand korrekt unterrichtet." Das glauben wir ihm doch aufs Wort. Und selten zuvor musste einer von einem Amt zurücktreten, dass er gar nicht mehr inne hat! Merke: Auch ein geistiger Tiefflieger kann übers Ziel hinausschießen. Bombenstimmung geht jedenfalls anders. (Kleiner Tipp für seinen Nachfolger: Es muss kein Kompliment sein, wenn man immer "eine gute Figur" macht!)
Und nur einer ist dazu in der Lage, dieses Ausmaß an Peinlichkeit noch zu toppen: Horst Köhler, unser Bundespräpotent. Als es darum ging, zum Abschluss der Feierstunde zum 20. Jahrestag des Mauerfalls die Nationalhymne anzustimmen, vergriff sich Ich-sag-was-mir-gefällt-Horst etwas im Text und intonierte inbrünstig: "Deutschland, Deutschland über alles". Seit dem wird im gegenseitigen Einverständnis die Mauer von beiden Seiten wieder aufgebaut - und zwar um ganz Deutschland.

Oktober: Straßenköter

Das Wichtigste vorweg: Ich liebe dieses Land! Aber:
"Hello my friend, happy holiday! Where you from? Where you from? Ah, aleman! Wi getts, auf widasähen, alles paletti! You like salsa, Buena Vista Social Club? Thers a festival of Buena Vista Social Club, you like to go? You like to go? You like salsa? I can get you ther. You don't like? Wanna buy cigars? Good quality, cohiba. Looking for restaurant? I know cheap one, lobster, beef, chicken, all cheap and good. Just near. Taxi? Com'on."
Nach der gefühlten zweihundertsten Schlepper-Ansprache kann man obigen Text nicht nur auswendig, sondern wünscht sich auch ein T-Shirt mit der Aufschrift: "No cigars. No restaurants. No taxis." Wenn man aber gleich nach „Hello my friend" den restlichen Text freiwillig aufsagt, hat man nicht nur eine Menge Spaß, sondern schlägt auch garantiert jeden (kubanischen) Schlepper in die Flucht! Tja, so sind sie halt, die blöden Touristen.
Gott sei Dank hält man in unseren Großstädten die Passanten für schlau genug, ihr Ziel nicht nur zu kennen, sondern auch selbstständig zu finden. Aber wer weiß, welche Billigjobs in unseren Fußgängerzonen noch auf uns zu kommen... Anonymität kann auch ein Segen sein!

September: Auslands-Report

Man sollte meinen, dass gewisse schlaue Erkenntnisse heutzutage den Status der Banalität erreicht haben, wäre da nicht immer wieder die eine Ausnahme, die einen dann doch an der Bezeichnung "sapiens" zweifeln lässt.
In diesem Fall lautet der Satz: "Jeder Mensch ist ein Ausländer - fast überall", und die Ausnahme materialisierte sich in einem Pensionswirt irgendwo in Nieder-Österreich. Der meinte beim morgendlichen Frühstück einen Small-Talk mit seinen deutschen Gästen führen zu müssen - wobei sich der Begriff "small" leider auch auf die Größe des mitteilungsbedürftigen Gehirns bezog.
Wo kämen wir denn her, aha Köln, eine weite Strecke, die würde er gut kennen, sei er doch schließlich selbst lange Jahre immer nach Düsseldorf gefahren. Der so erpresste Gesprächsbeitrag unsererseits "Echt, was haben Sie da denn gemacht?", wurde dankbarst aufgenommen und mit dem Hinweis gekontert, er habe bei ThyssenKrupp in Krefeld gearbeitet. Ich wollte das schon witzig finden (schließlich bin ich gebürtiger Krefelder), als er den Satz nachschob: "Da gibt es ja schon viele Ausländer in Krefeld!" Aha.
Die erste Replik: "Ja, sogar Österreicher!", ging in der Freude des Wirtes über seine scharfsinnige Beobachtungsgabe leider verloren. Der zweite Versuch:"Ich seh' hier nur Ausländer!", wurde zwar in Bezug auf meine Person bejaht, blieb aber ansonsten ohne erkennbare Auswirkungen. Das hätte mich allerdings auch gewundert. Schließlich kostete das Doppelzimmer 52 Euro (am Arsch der Welt), das dahingerotzte Frühstücks-Alibi extra (Wir präsentieren die schmalsten Brötchen der Welt!), und der Liter Super ganze 1,05 Euro (nur mal so zum Vergleich)!
Wieder was gelernt: Fremdenverkehr und Ausländerfeindlichkeit müssen kein Widerspruch sein - solange der doofe Ausländer auch zahlen kann...

August: Kindergeburtstag mit Tante Angela

Jetzt sage noch einer, unsere BundesMutti hätte kein Herz für die wirklich Bedürftigen in unserem Lande! Josef A. (Name der Redaktion bekannt) hätte seinen Geburtstag so wie jedes Jahr alleine in einer Gosse seiner Wahl gefeiert. Doch als sie davon hörte, zerbrach Mutti Merkel fast das Herz. Flugs organisierte sie einen Kindergeburtstag bei sich zuhause (also im Kanzleramt) und erlaubte Josef sogar, 20 seiner besten Freunde einzuladen, die in vielen anderen Lokalitäten sonst Hausverbot genießen würden. Einzige Vorraussetzung: frisch gewaschen mussten sie sein und saubere Fingernägel haben (die Forderung nach einer weißen Weste musste beizeiten fallengelassen werden).
Da war der Josef so froh, dass er aller Welt von seinem Glück erzählen musste! So hörte auch die böse Stiefmutter (Spieglein TV oder so ähnlich) von seinem Fest, wurde vor Neid fast grün hinter den Ohren und begann, die gute Tat von Tante Angela systematisch in den Dreck zu ziehen: Sie würde ja gar nicht im Kanzleramt wohnen, und wenn dann nur auf Zeit; der Josef täte immer nur so, als ginge es ihm dreckig, in Wahrheit habe er irgendwo einen geheimen Schatz vergraben. Und die Kosten für das Reinwaschen seiner "sauberen Freunde" würde Tante Angela gar nicht von ihrem Haushaltgeld abzwacken, sondern hätte dafür einen externen Geldgeber gefunden. Alles Lügen natürlich - aber so geschickt getarnt, als wären sie wahr. Diese Hexe (also die böse Stiefmutter)!
Aber Tante Angela wäre nicht Tante Angela, wenn sie nicht ganz schnell ein Gegengift (altes Familienrezept!) zur Hand gehabt hätte. Sie tat einfach so, als sei sie die Dumme und Josef und seine Freunde wären nur vorbei gekommen, um ihr ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Und für ihre Weiterbildung öffnet Vati Staat ja gerne seinen Hosenlatz äh Bonbonschrank. Nun war alles wieder gut! Und wenn sie nicht verdorben sind...

Juli: Quelle versiegt

Die Finanzkrise treibt schon seltsame Blüten. So waren wir der Quelle-Erbin und Arcandor-Aktionärin Madeleine Schickedanz nicht zu blöde, uns in ganzseitigen Zeitungsberichten über ihre bevorstehende Verarmung vollzuheulen:
„Ich bekäme nicht einmal Rente" und „Wir leben von 500 bis 600 Euro im Monat" waren die herausragenden Pointen ihres Mitleids-Dossiers. Tja, so geht es vielen von uns - nur haben sie zuvor nicht selbstverschuldet über 3 Milliarden Euro versenkt! Schon mal was von unternehmerischem Risiko gehört? Oder gar, dass Eigentum auch verpflichtet? Z. B. Privatvermögen einzusetzen, anstatt nur nach Staatshilfen zu schreien? Oder ihrem geliebten Ex-Arcandor-Chef Middelhoff mit seiner Interpretation von Insider-Geschäften (womit nicht der Einkauf in den eigenen Filialen gemeint ist!) mal auf die Finger zu schauen (und dann zu hauen)? Gott sei Dank ist noch genügend Insolvenz-Masse vorhanden, um Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick eine Abfindung von 15 Mio. Euro hinterher zu werfen! Den Katalog haben Gott sei Dank ja andere bezahlt!
Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall - und diesem Fall schaute man sehr gerne zu, wären nicht auch „normale Menschen" betroffen.

Juni: Der Tod des Monats

Michael Jackson ist endlich verblichen, äh, endgültig wollte ich sagen. Zwar befinden sich einzelne seiner Teile bereits seit Jahren in irgendeiner Formalinlösung oder einer schnöden Bio-Tonne, jetzt hat halt der (schäbige?) Rest auch „rübergemacht“. Und wie es sich für einen King of Pop, Popo und OP gehört, konnte er sich nicht einfach ein letztes Mal mit seinem Handschuh in den Schritt greifen, einen letzten Schrei ausstoßen und dann in die große Generalpause eingehen, nein, er musste auch noch aus seinem Tod einen Thriller machen.
Ist er jetzt einfach nur ein Suchtopfer (merke: ein Cocktail kann auch aus Tabletten sein!) oder doch das seines spritz-fidelen Arztes? Wer bekommt seine Altersvorsorge – also seine Kinder – mit deren geerbten Rechten an 200.000 Songs? Ihre Leihmütter? Ihre Samenspender?? Oder fallen sie gar in die Klauen von Vater Joseph, der sich ja schon seit Jahren mit der Dressur von Minderjährigen auskennt (im Gegensatz zu seinem Sohn übrigens ohne entsprechendes juristisches, tja, „Nachspiel“)?
Zugegeben, ich bin ein Fan von M. J. – und lasse mir das Andenken an den größten Basketballer aller Zeiten nicht durch das Initialen-Plagiat eines musikalisch eindimensionalen, dafür aber verhaltensauffälligen Schlagersängers weiß machen. Denn im Gegensatz zu M. J. war ihrwisstschonwer nur eines: eine arme Sau!

Mai: Schweinskopf-Sülze

Es ist vollbracht! Deutschland kann wieder aufatmen! Unser beliebtester Arbeitsloser darf uns noch weitere fünf Jahre von der Leistungsfähigkeit bundespräsidialer Machtfülle überzeugen.
Nun, an der mangelnden Kompetenz der Mitbewerber – einer dauerlächelnden Vogelscheuche sowie einem volkszornnah dahersimpelnden Laiendarsteller – kann es ja nicht gelegen haben. Doch die köhlersche Wortgewalt (im Volksmund kurz auch Gesülze genannt) braucht keine Konkurrenz zu fürchten. Ich möchte nur an die letzte Neujahrsansprache erinnern, wo er wieder mal eine bemerkenswerte Vorstellung gab: Leiern statt Lesen. Tja, soll ja keiner sagen, der Mann hätte nicht ganz schön was auf dem Kasten, genauer gesagt: dem Leierkasten!
Ich habe mich ja schon nach zwei Minuten gefragt: Gibt es da nichts von ratiopharm? Es muss ja kein entgegenkommender Zug sein. Obwohl das Wort Entzug seit dem Freitod von Herrn Merckle eine ganz neue Bedeutung erhalten hat: Endzug. Und wie gerne hätte ich von unserem Bundeshotte dazu einen Nachruf gehört, der diesem tragik-komischen Ereignis wirklich angemessen gewesen wäre (Nachfolgendes bitte betont monoton und mit angeschwäbeltem Singsang lesen):
„Adolf Merckle war Zeit seines Lebens stark tablettenabhängig. Darum hat er zuletzt einen Entzug gemacht. Das hat ihn innerlich zerrissen. Aber bei dem Vornamen Adolf war es ja auch kein Wunder, dass er sich nicht den Konsequenzen aus seinem Handeln gestellt hat. Die Beerdigung findet statt zwischen Kilometer 5,5 und 10,9. Es wird darum gebeten, nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Denn die Bahn kommt, allerdings nicht immer rechtzeitig zum stehen.“
Ich hätte es nicht besser sagen können…

April: Glück im Unglück

Silvio Berlusconi, der freundliche Verbrecher von nebenan, arbeitet nicht nur an einem neuen italienischen Betriebssystem, duce 2.0 genannt.
Nein, er hat jetzt auch bereits Anfang April offiziell die neue Campingsaison eröffnet! Auch wenn es sich bei den meisten Naturfreunden aus L’Aquila wohl um Dauercamper handeln dürfte, ist das immer noch besser, als ein Dach über dem Kopf zu haben – zumindest wenn noch 5 Stockwerke oben drauf liegen.
Wie zynisch darf ein Staatsoberhaupt angesichts von über 200 Toten und einer verwüsteten Region eigentlich sein? Und was soll uns sein bush’sches Dauergrinsen sagen? Die Mafia freut sich schon darauf, beim Wiederaufbau durch ihre intensiven Kontakte zu Zementfirmen, Schuttentsorgern und anderen Unternehmen den Schaden für sich in Grenzen zu halten? Armes Italien, bist ein so schönes Land, nur leider politisch völlig verkommen!

März: Ja, wo isses denn?

Köln wird ja immer wieder vorgeworfen, es könne nicht viel mehr, als jährlich neue kulinarische Köstlichkeiten hervorzubringen wie Schnauzbart mit Ballonseiden-Jogginganzug auf Westernstiefeln. Weit gefehlt.

In einer beispielhaften Nacht- und Nebel-Aktion hat jüngst der Kölner wieder sein großes Hätz bewiesen: Aus Solidarität mit Opel werden jetzt weite Teile der Kölner Südstadt tiefer gelegt – sozusagen das größte Schlagloch der Welt.

Zusätzlich wartet Köln demnächst mit einer weiteren technischen Sensation auf, die geradezu eine Revolution im Energiesparen bedeutet: der ersten U-Bahn mit Tageslicht.

Böse Zungen behaupten ja, das Stadtarchiv musste deshalb verschwinden, weil sich in ihm bereits die von den Verantwortlichen unterzeichneten Pläne für den U-Bahn-Bau befanden. Das ist natürlich Quatsch, denn dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: In Köln weiß man schon seit Jahren, dass man nicht immer mit einem blauen Auge davon kommt - hin und wieder gibt es auch ’ne Schramma…

Anno 2009

Dezember: Der Gipfel der Unverschämtheit

War Kopenhagen bislang durch so unwichtige Details wie die Heimatstadt von Carlsberg, Hans Christian Andersen und den Fußballern von Brondby IF ausgewiesenen Experten bekannt, so ist nun ein neues unwichtiges Detail hinzugekommen: der Klimagipfel.
Über 500 Regierungschefs nebst ihren interessenstarken Helferlein sorgten dafür, dass sich die heiße Luft ihrer Flugzeuganreise verlustfrei in eine Abschlusserklärung recyceln ließ. Was soll man als einigermaßen normal denkender Mensch davon halten. Während viele Privatleute versuchen, sich mittels umfangreicher Versicherungen den bekannten und möglichen Risiken der Zukunft zu stellen, scheint die Menschheit noch nicht dazu in der Lage, über den eigenen Schatten bzw. die eigenen Interessen hinausschauen zu können.
Darum hier ein weiterer, unangemessener Nazi-Vergleich: Während die Kinder der berühmten "Generation Braun" ihre Erzeuger nach dem 2. Weltkrieg fragen mussten, warum sie wider besseren Wissens nichts gegen den massenhafte Vernichtung von Mitmenschen getan hätten, könnten wir in die missliche Lage kommen, das Verschwinden von Holland, den Malediven und der Arktis (nebst den daranhängenden paar Millionen Weggespülten) erklären zu müssen.
Bleibt "Otto Normal" nur zu hoffen, dass er keine Kinder hat, selbst rechtzeitig stirbt, und es um Himmels Willen keine Wiedergeburt gibt! Aber die Unterwasserwelt soll ja auch ganz schön sein...

November: So, Jung, kommen wir nicht mehr zusammen

Nun haben wir auch den ersten Kollateralschaden der neuen Regierung ohne großes Bedauern zur Kenntnis nehmen können. Nach nur vier Wochen musste auch Franz Josef Jung einsehen, dass der Krieg in Afghanistan (der ja bekanntlich gar keiner ist) zivile Opfer gefordert hat: nämlich einen Generalinspekteur, einen Staatssekretär und ihn selbst.
Selten hat ein Minister so glaubwürdig dargestellt, dass er von Tuten und Blasen keine Ahnung hat: "Ich habe sowohl die Öffentlichkeit als auch das Parlament über meinen Kenntnisstand korrekt unterrichtet." Das glauben wir ihm doch aufs Wort. Und selten zuvor musste einer von einem Amt zurücktreten, dass er gar nicht mehr inne hat! Merke: Auch ein geistiger Tiefflieger kann übers Ziel hinausschießen. Bombenstimmung geht jedenfalls anders. (Kleiner Tipp für seinen Nachfolger: Es muss kein Kompliment sein, wenn man immer "eine gute Figur" macht!)
Und nur einer ist dazu in der Lage, dieses Ausmaß an Peinlichkeit noch zu toppen: Horst Köhler, unser Bundespräpotent. Als es darum ging, zum Abschluss der Feierstunde zum 20. Jahrestag des Mauerfalls die Nationalhymne anzustimmen, vergriff sich Ich-sag-was-mir-gefällt-Horst etwas im Text und intonierte inbrünstig: "Deutschland, Deutschland über alles". Seit dem wird im gegenseitigen Einverständnis die Mauer von beiden Seiten wieder aufgebaut - und zwar um ganz Deutschland.

Oktober: Straßenköter

Das Wichtigste vorweg: Ich liebe dieses Land! Aber:
"Hello my friend, happy holiday! Where you from? Where you from? Ah, aleman! Wi getts, auf widasähen, alles paletti! You like salsa, Buena Vista Social Club? Thers a festival of Buena Vista Social Club, you like to go? You like to go? You like salsa? I can get you ther. You don't like? Wanna buy cigars? Good quality, cohiba. Looking for restaurant? I know cheap one, lobster, beef, chicken, all cheap and good. Just near. Taxi? Com'on."
Nach der gefühlten zweihundertsten Schlepper-Ansprache kann man obigen Text nicht nur auswendig, sondern wünscht sich auch ein T-Shirt mit der Aufschrift: "No cigars. No restaurants. No taxis." Wenn man aber gleich nach „Hello my friend" den restlichen Text freiwillig aufsagt, hat man nicht nur eine Menge Spaß, sondern schlägt auch garantiert jeden (kubanischen) Schlepper in die Flucht! Tja, so sind sie halt, die blöden Touristen.
Gott sei Dank hält man in unseren Großstädten die Passanten für schlau genug, ihr Ziel nicht nur zu kennen, sondern auch selbstständig zu finden. Aber wer weiß, welche Billigjobs in unseren Fußgängerzonen noch auf uns zu kommen... Anonymität kann auch ein Segen sein!

September: Auslands-Report

Man sollte meinen, dass gewisse schlaue Erkenntnisse heutzutage den Status der Banalität erreicht haben, wäre da nicht immer wieder die eine Ausnahme, die einen dann doch an der Bezeichnung "sapiens" zweifeln lässt.
In diesem Fall lautet der Satz: "Jeder Mensch ist ein Ausländer - fast überall", und die Ausnahme materialisierte sich in einem Pensionswirt irgendwo in Nieder-Österreich. Der meinte beim morgendlichen Frühstück einen Small-Talk mit seinen deutschen Gästen führen zu müssen - wobei sich der Begriff "small" leider auch auf die Größe des mitteilungsbedürftigen Gehirns bezog.
Wo kämen wir denn her, aha Köln, eine weite Strecke, die würde er gut kennen, sei er doch schließlich selbst lange Jahre immer nach Düsseldorf gefahren. Der so erpresste Gesprächsbeitrag unsererseits "Echt, was haben Sie da denn gemacht?", wurde dankbarst aufgenommen und mit dem Hinweis gekontert, er habe bei ThyssenKrupp in Krefeld gearbeitet. Ich wollte das schon witzig finden (schließlich bin ich gebürtiger Krefelder), als er den Satz nachschob: "Da gibt es ja schon viele Ausländer in Krefeld!" Aha.
Die erste Replik: "Ja, sogar Österreicher!", ging in der Freude des Wirtes über seine scharfsinnige Beobachtungsgabe leider verloren. Der zweite Versuch:"Ich seh' hier nur Ausländer!", wurde zwar in Bezug auf meine Person bejaht, blieb aber ansonsten ohne erkennbare Auswirkungen. Das hätte mich allerdings auch gewundert. Schließlich kostete das Doppelzimmer 52 Euro (am Arsch der Welt), das dahingerotzte Frühstücks-Alibi extra (Wir präsentieren die schmalsten Brötchen der Welt!), und der Liter Super ganze 1,05 Euro (nur mal so zum Vergleich)!
Wieder was gelernt: Fremdenverkehr und Ausländerfeindlichkeit müssen kein Widerspruch sein - solange der doofe Ausländer auch zahlen kann...

August: Kindergeburtstag mit Tante Angela

Jetzt sage noch einer, unsere BundesMutti hätte kein Herz für die wirklich Bedürftigen in unserem Lande! Josef A. (Name der Redaktion bekannt) hätte seinen Geburtstag so wie jedes Jahr alleine in einer Gosse seiner Wahl gefeiert. Doch als sie davon hörte, zerbrach Mutti Merkel fast das Herz. Flugs organisierte sie einen Kindergeburtstag bei sich zuhause (also im Kanzleramt) und erlaubte Josef sogar, 20 seiner besten Freunde einzuladen, die in vielen anderen Lokalitäten sonst Hausverbot genießen würden. Einzige Vorraussetzung: frisch gewaschen mussten sie sein und saubere Fingernägel haben (die Forderung nach einer weißen Weste musste beizeiten fallengelassen werden).
Da war der Josef so froh, dass er aller Welt von seinem Glück erzählen musste! So hörte auch die böse Stiefmutter (Spieglein TV oder so ähnlich) von seinem Fest, wurde vor Neid fast grün hinter den Ohren und begann, die gute Tat von Tante Angela systematisch in den Dreck zu ziehen: Sie würde ja gar nicht im Kanzleramt wohnen, und wenn dann nur auf Zeit; der Josef täte immer nur so, als ginge es ihm dreckig, in Wahrheit habe er irgendwo einen geheimen Schatz vergraben. Und die Kosten für das Reinwaschen seiner "sauberen Freunde" würde Tante Angela gar nicht von ihrem Haushaltgeld abzwacken, sondern hätte dafür einen externen Geldgeber gefunden. Alles Lügen natürlich - aber so geschickt getarnt, als wären sie wahr. Diese Hexe (also die böse Stiefmutter)!
Aber Tante Angela wäre nicht Tante Angela, wenn sie nicht ganz schnell ein Gegengift (altes Familienrezept!) zur Hand gehabt hätte. Sie tat einfach so, als sei sie die Dumme und Josef und seine Freunde wären nur vorbei gekommen, um ihr ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Und für ihre Weiterbildung öffnet Vati Staat ja gerne seinen Hosenlatz äh Bonbonschrank. Nun war alles wieder gut! Und wenn sie nicht verdorben sind...

Juli:  Quelle versiegt

Die Finanzkrise treibt schon seltsame Blüten. So waren wir der Quelle-Erbin und Arcandor-Aktionärin Madeleine Schickedanz nicht zu blöde, uns in ganzseitigen Zeitungsberichten über ihre bevorstehende Verarmung vollzuheulen:
„Ich bekäme nicht einmal Rente" und „Wir leben von 500 bis 600 Euro im Monat" waren die herausragenden Pointen ihres Mitleids-Dossiers. Tja, so geht es vielen von uns - nur haben sie zuvor nicht selbstverschuldet über 3 Milliarden Euro versenkt! Schon mal was von unternehmerischem Risiko gehört? Oder gar, dass Eigentum auch verpflichtet? Z. B. Privatvermögen einzusetzen, anstatt nur nach Staatshilfen zu schreien? Oder ihrem geliebten Ex-Arcandor-Chef Middelhoff mit seiner Interpretation von Insider-Geschäften (womit nicht die eigenen Filialen gemeint sind!) mal auf die Finger zu schauen (und dann zu hauen)?
Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall - und diesem Fall schaute man sehr gerne zu, wären nicht auch „normale Menschen" betroffen.

Juni:  Der Tod des Monats

Michael Jackson ist endlich verblichen, äh, endgültig wollte ich sagen. Zwar befinden sich einzelne seiner Teile bereits seit Jahren in irgendeiner Formalinlösung oder einer schnöden Bio-Tonne, jetzt hat halt der (schäbige?) Rest auch „rübergemacht".
Und wie es sich für einen King of Pop, Popo und OP gehört, konnte er sich nicht einfach ein letztes Mal mit seinem Handschuh in den Schritt greifen, einen letzten Schrei ausstoßen und dann in die große Generalpause eingehen, nein, er musste auch noch aus seinem Tod einen Thriller machen.
Ist er jetzt einfach nur ein Suchtopfer (merke: ein Cocktail kann auch aus Tabletten sein!) oder doch das seines spritz-fidelen Arztes? Wer bekommt seine Altersvorsorge - also seine Kinder - mit deren geerbten Rechten an 200.000 Songs? Ihre Leihmütter? Ihre Samenspender?? Oder fallen sie gar in die Klauen von Vater Joseph, der sich ja schon seit Jahren mit der Dressur von Minderjährigen auskennt (im Gegensatz zu seinem Sohn übrigens ohne entsprechendes juristisches, tja, „Nachspiel")?
Zugegeben, ich bin ein Fan von M. J. - und lasse mir das Andenken an den größten Basketballer aller Zeiten nicht durch das Initialen-Plagiat eines musikalisch eindimensionalen, dafür aber verhaltensauffälligen Schlagersängers weiß machen. Denn im Gegensatz zu M. J. war ihrwisstschonwer nur eines: eine arme Sau!

Mai:  Schweinskopf-Sülze

Es ist vollbracht! Deutschland kann wieder aufatmen! Unser beliebtester Arbeitsloser darf uns noch weitere fünf Jahre von der Leistungsfähigkeit bundespräsidialer Machtfülle überzeugen.
Nun, an der mangelnden Kompetenz der Mitbewerber - einer dauerlächelnden Vogelscheuche sowie einem volkszornnah dahersimpelnden Laiendarsteller - kann es ja nicht gelegen haben. Doch die köhlersche Wortgewalt (im Volksmund kurz auch Gesülze genannt) braucht keine Konkurrenz zu fürchten. Ich möchte nur an die letzte Neujahrsansprache erinnern, wo er wieder mal eine bemerkenswerte Vorstellung gab: Leiern statt Lesen. Tja, soll ja keiner sagen, der Mann hätte nicht ganz schön was auf dem Kasten, genauer gesagt: dem Leierkasten!
Ich habe mich ja schon nach zwei Minuten gefragt: Gibt es da nichts von ratiopharm? Es muss ja kein entgegenkommender Zug sein. Obwohl das Wort Entzug seit dem Freitod von Herrn Merckle eine ganz neue Bedeutung erhalten hat: Endzug. Und wie gerne hätte ich von unserem Bundeshotte dazu einen Nachruf gehört, der diesem tragik-komischen Ereignis wirklich angemessen gewesen wäre (Nachfolgendes bitte betont monoton und mit angeschwäbeltem Singsang lesen):
„Adolf Merckle war Zeit seines Lebens stark tablettenabhängig. Darum hat er zuletzt einen Entzug gemacht. Das hat ihn innerlich zerrissen. Aber bei dem Vornamen Adolf war es ja auch kein Wunder, dass er sich nicht den Konsequenzen aus seinem Handeln gestellt hat. Die Beerdigung findet statt zwischen Kilometer 5,5 und 10,9. Es wird darum gebeten, nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln anzureisen. Denn die Bahn kommt, allerdings nicht immer rechtzeitig zum stehen."
Ich hätte es nicht besser sagen können...

April:  Glück im Unglück

Silvio Berlusconi, der freundliche Verbrecher von nebenan, arbeitet nicht nur an einem neuen italienischen Betriebssystem, duce 2.0 genannt. Nein, er hat jetzt auch bereits Anfang April offiziell die neue Campingsaison eröffnet! Auch wenn es sich bei den meisten Naturfreunden aus L'Aquila wohl um Dauercamper handeln dürfte, ist das immer noch besser, als ein Dach über dem Kopf zu haben - zumindest wenn noch 5 Stockwerke oben drauf liegen.
Wie zynisch darf ein Staatsoberhaupt angesichts von über 200 Toten und einer verwüsteten Region eigentlich sein? Und was soll uns sein bush'sches Dauergrinsen sagen? Die Mafia freut sich schon darauf, beim Wiederaufbau durch ihre intensiven Kontakte zu Zementfirmen, Schuttentsorgern und anderen Unternehmen den Schaden für sich in Grenzen zu halten? Armes Italien, bist ein so schönes Land, nur leider politisch völlig verkommen!

März:  Ja wo isses denn?

Köln wird ja immer wieder vorgeworfen, es könne nicht viel mehr, als jährlich neue kulinarische Köstlichkeiten hervorzubringen wie Schnauzbart mit Ballonseiden-Jogginganzug auf Westernstiefeln. Weit gefehlt.
In einer beispielhaften Nacht- und Nebel-Aktion hat jüngst der Kölner wieder sein großes Hätz bewiesen: Aus Solidarität mit Opel werden jetzt weite Teile der Kölner Südstadt tiefer gelegt - sozusagen das größte Schlagloch der Welt.
Zusätzlich wartet Köln demnächst mit einer weiteren technischen Sensation auf, die geradezu eine Revolution im Energiesparen bedeutet: der ersten U-Bahn mit Tageslicht.
Böse Zungen behaupten ja, das Stadtarchiv musste deshalb verschwinden, weil sich in ihm bereits die von den Verantwortlichen unterzeichneten Pläne für den U-Bahn-Bau befanden. Das ist natürlich Quatsch, denn dafür gibt es eine ganz einfache Erklärung: In Köln weiß man schon seit Jahren, dass man nicht immer mit einem blauen Auge davon kommt - hin und wieder gibt es auch 'ne Schramma...

Februar:  Weiße Weste - braune Flecken

Gleich zweifach übers Ziel hinausgeschossen ist mal wieder unser Papperlapapst. Erst bewies er eindrücklich, dass sich die katholische Kirche nicht nur hingebungsvoll um die schwarzen Schafe kümmert, sondern auch um die braunen. Tja, die katholische Kirche hatte schon immer ein super Verhältnis zur „guten alten Zeit". Aber das ist ja nur menschlich: Schließlich ist auch der Heilige Stuhl braun.
Dann erklärte er im Vorüberfliegen den Afrikanern, dass Aids nicht allein mit Kondomen zu besiegen sei. Stimmt, wenn man nur lange genug wartet, dürfte sich das Problem von alleine erledigen. Eins nach dem anderen. Aber das hat auch sein Gutes: dann haben die Tiere endlich wieder mehr Platz auf dem Kontinent. Davon profitiert auch das Lamm Gottes.
Andererseits hält sich seit Jahren hartnäckig das Gerücht, der Vatikan sei auch an diversen Kondomfabriken beteiligt. Schon erstaunlich, wo der gemeine Geistliche nicht alles seinen Finger drin hat - aber es gibt ja schließlich nicht nur Messdiener.

Januar:  Rohr-Krepierer

Schlendert man in Gedanken durch die eigene Wohnung, so herrscht an Kontroll-Instrumenten wahrlich kein Mangel: Wasserzähler, Stromzähler, Wärmezähler, Gaszähler - vom (Ehe)Partner ganz zu schweigen.
Nun ist Russland ja seit dem rasanten Anstieg der Energiepreise eines der reichsten Länder der Welt - auch wenn sich dieser Reichtum nur auf einige Wenige verteilt - aber für einen eigenen Gaszähler hat es bislang anscheinend nicht gereicht!
So braucht es schon den europäischen Beobachter, um auch bei der gemeinen Pipeline zu der Einsicht zu gelangen: Entscheidend ist, was hinten rauskommt.
Und wie das unter verlässlichen Partnern und lupenreinen Demokraten so ist, schaltet man das Ding am besten gleich ganz ab. Kann ja keiner was dafür, dass gerade Winter ist. Und wo kein Gas, da auch kein Leck - alte ukrainische Krematoriums-Weisheit.
Bleibt nur zu hoffen, dass es keiner internationaler Beobachter bedarf, um festzustellen, ob bei Schalke 04 nach dem nächsten Fußballspiel auch noch 11 Mann auf dem Platz stehen oder doch nur (gefühlte) 8...

 

Anno 2008

Dezember: Griechisches Wein'

Liebes Griechenland, es war mir ja bereits bekannt, dass Du nicht nur unsere Pauschaltouristen (und solche, die sich für etwas Besseres halten) geradezu vom Sockel haust. Aber dass Deine Schlagkraft so weit geht, nun auch ganze Städte heiß zu servieren, hat mich doch ein wenig überrascht.

Deine Liebe zu Klein-Gehacktem mal beiseite: Wie lange kocht denn Deine Volksseele schon auf dem Teutonen-Grill, dass Dich eine einzige (hoffentlich) verirrte Polizistenkugel den Spieß mal so richtig umdrehen lässt? Dabei hattest gerade Du doch mit dem Sirtaki eine so fein sublimierte Form des „Gleichschritt, Marsch“ im Kulturköcher (-kocher?). Und Nana Mouskouri ist doch wohl Strafe genug für Dein armes Land! Oder liegt es etwa an falschen Vorbildern: den immer wieder mal zufällig entzündeten Waldgebieten? Aber die brennen doch nur zur Erbauung – nämlich neuer Wohngebiete – und nicht zu ihrem Abriss.

Was immer bei Dir jetzt Ouzo ist, es schlägt mir ganz schön auf den Magen!

Mit kulinärrischen Grüßen

dmp

 

November:  Erklärungs-Notstände, Notstands-Erklärungen

Die Zeiten ändern sich aber auch so rasant, da kommt man mit der richtigen Einstellung kaum hinterher. Was mussten wir nicht alles lernen? Dass auch ein guter Aufschläger einen herben Rückschlag erleiden kann. So wie Boris Becker bei seiner Sandy. (Sandy? Ich kenne keine Frau, die Sandy heißt. In unserem Alter gibt es keine Sandy. Und wenn, dann ist die operiert!)

Gestern noch Bums, Bums Boris, heute müssen wir ihm die Liebe erklären. Da fühle ich mich überfordert. Denn mit Sätzen wie „Ich bin drin.“ oder „Es war einmal in einer Besenkammer…“ geht das so schlecht!

Und auch gegenüber der Pisa-Studie ist eine gewisse Skepsis angebracht: Wenn die Sachsen wirklich am besten deutsch lesen können, warum sprechen sie es dann nicht? Andererseits hatte der Deutsche ja schon immer ein Faible für Führer mit Sprachfehler: Hitler, Honecker, Helmut…

Apropos Hitler. Stichwort Jörg Haider, die Lady Di Kärntens: Wir haben gelernt, dass ein bayerischer Rechtspopulist mehr Alkohol verträgt als einer aus Österreich. Während der bayerische auch nach zwei Maß Bier noch geradeaus fahren und dabei aus dem Fenster kotzen kann, trägt es einen österreichischen schon mal aus einer Rechtskurve. Aber das nenne ich mal ein gelungenes Selbstmordattentat: Nur einer ist weg, und der hinterlässt nicht mal ’ne Lücke – außer im Straßenbelag vielleicht. Und seine Karre hat er auch mitgenommen, das freut die Autoindustrie! So schnell wird man einen Phaeton heutzutage nicht mehr los. Na, das schreit doch geradezu nach einem neuen Sondermodell!

 

Oktober:  Georgi Walker geht, der Tag kommt!

An dieser Stelle einen letzten, stillen Gruß an einen kleinen, großen Mann, von dem wir Gott sei Dank lange nichts gehört haben – und der hoffentlich auch in Zukunft nichts mehr zu sagen haben wird.

Dabei hat er wirklich Außergewöhnliches geleistet: Eine Reform des Wahl- bzw. Auszählungsrechtes, das Streuen international hoffähiger Lügen, das Führen von Angriffskriegen jenseits des Staatenbundes, die Legitimation von Völker- und Menschen­rechtsverletzungen bis hin zur Folter, das Blockieren eines international verbindlichen Umweltschutzes, das Anhäufen eines Staatsdefizits von mehr als 400 Billionen Dollar etc. etc. (Diese Aufzählung erhebt natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit!).

All das stets mit einem Spitzbubenlächeln präsentiert, so, als könne er selbst nicht glauben, was er da gerade sagt - und das andere ihm dabei ernsthaft zuhören! Jetzt kann er endlich seinem geistigen den politischen Ruhestand folgen lassen und sich der großen amerikanischen Aufgabe für die nächsten Jahre widmen: Maul halten und erst mal ‘ne Runde seine Hausaufgaben machen!

Keine Frage, bei dem Erbe wird es sein Nachfolger Barique (die Amis entscheiden sich doch wohl nicht für die Pommes?!) schwer haben. Merke: Nicht alle großen Klumpfußspuren müssen gefüllt werden. Tröstlicherweise kann ihm eines jedenfalls nicht mehr passieren: Dass er sich über die Hinterlassenschaft seines Vorgängers schwarz ärgert! Peace.

 

September:  MB präsentiert das Spiel „Pleitegeier“

Selten fiel die Wahl zum Tor des Monats so eindeutig aus, wie dieses Mal. Während halb Deutschland bereits damit beschäftigt ist, in seinem Geldbeutel 1 und 1 zusammenzuzählen, tätigen zwei Banker der international höchst renommierten KfW („Ich will mitspielen!“) eine kleine Überweisung an einen, na sagen wir mal: nicht mehr so ganz liquiden Geschäftspartner!

Zwar wusste alle Welt bereits seit drei Tagen, dass dieser sein Kerngeschäft von Kompetenz in Richtung Insolvenz verlagert hatte (siehe die entsprechenden Beiträge in der Tagesschau!), aber so schnell lässt sich ein deutscher Mitarbeiter seine 300 Millionen-Butter nicht vom Arbeitsbrot nehmen. Unterschrift, Stempel, und ab damit! Yes, we can! Wer sagt denn, dass man ein gesunkenes Schiff nicht noch auftanken kann?

Kein Vorwurf. Schließlich müssen deutsche Banker soo viel arbeiten, die haben einfach keine Zeit, um die Tagesschau zu gucken. Oder Zeitung zu lesen. Oder bei einer hausinternen Besprechung zum selbigen Thema ein paar Tage zuvor richtig zuzuhören. Es sei denn, irgendjemand, den wir noch nicht kennen, hat an diesem kleinen Geschäftsvorgang noch ein wenig verdient. Das wäre wenigstens eine plausible Erklärung, mit der „Otto Normal“ gut leben könnte! Schließlich – so hören wir in diesen Tagen immer wieder – gibt es nicht nur das Gottvertrauen…

Schade nur, dass der über Jahre aufgebaute Schein, man hätte es hier mit Profis zu tun, so jäh zerplatzte. Stattdessen offenbart sich ein gewaltiges Missverständnis: Eine deutsche Kreditanstalt scheint nicht dazu da zu sein, Kredite zu vergeben, sondern selbst welche zu benötigen – siehe unser Dauer-Milliarden-Grab namens IKB (übrigens eine Tochter der – genau! – KfW). Immer getreu dem Motto: Eigenes Geld sparen, fremdes Geld investieren – kost‘ ja nix!

Völlig umsonst ist daher auch folgender Rüttelreim: Den Spekulant an die Wand! Aber gut, dass wir mal drüber geredet haben…

 

August:  HerzTransplantation

der miese peter muss gestehen: auch sein Herzchen schlägt links. Daher tut es ihm auch an anderen Stellen weh, der SPD seit geraumer Zeit bei ihrem Lieblingsspiel „Wie zerstöre ich mich selbst?“ zuzusehen.

Unvergessen beispielsweise der legendäre Auftritt unseres Ex-Kanzlers, durch den die CDU-Kandidatenleichin erst reanimiert wurde. Was ist schlimmer: Wenn man was nimmt oder sich übernimmt? Doch statt „einem im Tee“ gibt es seit dem nur trockenes GeBeck …

Dann musste die kleine Bochumer Volksseele, den großen ehemaligen (oder heißt es ehemalig großen?) SPD-Wirtschaftsminister daran erinnern, dass es zwar „schrödertechnisch“ o.k. ist, als Aufsichtsrat bei RWE nicht nur die Seite, sondern auch Gehaltsklasse sowie Gesinnung zu wechseln, wenn man danach zumindest parteipolitisch die Klappe hält.

Parallel war das berlin-hessische Schauspiel „Yps(ilanti) mit Gimmick“ zu bewundern: Gibt es auch eine linke Mehrheit im Lande – wir wollen sie nicht! Nicht mal in der eigenen Partei. Stattdessen wird jetzt der Stein- zum Kraftmeier aufgebauscht, allerdings ohne die Frage beantworten zu können, ob er jetzt ein konservatives Original oder doch nur die konservierte Fälschung ist.

Keine Frage: Die SPD hat viel zu tun – vor allem mit sich selbst! Schade, ich bin inzwischen verhungert…

 

Juli:  Das Sommerloch hat einen Namen

Wir haben ja schon viel Schwachsinn von CDU-Generalsekretären mit anhören müssen (wer wählt die eigentlich aus?), ohne dass es der Volksgesundheit ernstlich geschadet hätte. Prinzip Hintze und Kunze halt.

Aber neulich schwirrte dann doch ein Satz dieser … komischen Leute ohne richtigen Beruf durch den Äther, der mich spontan dazu veranlasste, meinen Schrubber (Holz, unbehandelt) feierlich in die Riege der intellektuellen Wesen aufzunehmen: „Atomstrom ist für die CDU Ökostrom.“ Gezeichnet Ronald Pofalla (nein, an dieser Stelle kein Wortspiel zum Namen!).

Nun wissen wir ja alle, dass bei der Stromerzeugung (wie sie bei uns überwiegend praktiziert wird – jedenfalls so lange wir uns das noch leisten können) der größte Teil als heiße Luft verpufft. Wie könnte es da bei einem derart hochgeistigen Kraftwerk anders sein? Mit dem kleinen Unterschied, dass hier der Restmüll nicht (auf Kosten der Steuerzahler) dilettantisch vergraben, sondern dem vernetzten Endverbraucher als politische Spitzentechnologie frei Haus geliefert wird.

Und so geht der kleine Ronni uns allen beispielhaft voran. Schließlich kann man auch geistige Energie sparen. Und wer dass lang gnug tutet, dr kann zisch bald vonem Rsparten n neun Zuch für sein klein Modell-Eisnbahn-Welt kaufn: den Zug nach Nirgendwo. So, und nun ab ins Bett – das andere Sandmännchen wartet schon!

 

Juni:  Olé, olé olé olé!

Wenn diese Rubrik schon so heißt, dann kann es diesen Monat nur einen geben: Ein gewisser Herr Fernando Torres war sich nicht zu blöde, dem Namen eines gewissen Herrn Lahm alle Ehre zu machen („Den lauf‘ ich locker ab!“) und sich gegenüber einem gewissen Herrn Lehmann als ausreichend zuvorkommend zu präsentieren. Das kommt halt davon, wenn das deutsche Spiel nicht 90, sondern höchstens 2 x 10 Minuten dauert.

Aber seien wir froh, endlich wieder etwas anderes machen zu können, als permanent zwischen der Glotze und dem nächsten Autokorso hin und her zu pendeln (Diese Pendlerpauschale hätte ich gerne!).

Auch die totale Halbmond-Euphorie konnten wir in letzter Minute noch abwenden. Obwohl es schon beeindruckend war mit anzusehen, wie sehr die Türken mittlerweile die deutsche Tugend, sich irgendwie durch ein Turnier zu duseln, übernommen haben (soviel zum Thema „Assimilation“)! Tja, dann doch die Rechnung ohne den wahren Wirt gemacht!

Und wer gedacht hatte, der 11. Mann sei ebenso einflussreich wie die 10 zuvor, der musste lernen, dass sich auch der 4. Mann viel zu wichtig nehmen kann. Armer Jogi Löw: Rauchen in geschlossenen Räumen ist doch so schädlich!

Im Übrigen möchte ich nie wieder ein Spiel der griechischen Nationalmannschaft sehen -  bei allem Respekt vor den Verdiensten Otto Rehhagels. Wie sagte er doch so treffend: „Modern ist, zu gewinnen.“ Einen schönen Ruhestand noch, ihm und seiner Mannschaft!

Was bleibt, ist die Erkenntnis: Nicht nur der Ball ist rund, sondern nach drei verzehrreichen Wochen auch der Bauch. Aber erklär‘ diese Abseitsfalle mal 'nem Kerl. Der hupt dir was! Tja, dann geh ich schon mal die Alkoholfahne aufbügeln…

 

Mai:  Kein Tor dank Eigentor!

Der miese peter ist verwirrt! Kaum hatte er tiiief Luft geholt, um gegen die geplante Diätenerhöhung unserer Volksvertreter (also die zweite innerhalb von vier Monaten) loszukrakeelen, da heißt es aus Berlin: „Entwarnung, das war nur ’ne Übung!“

Puh. Wie verdorben müssen wir in unseren neidischen Hirnen sein, um ernsthaft zu glauben, dass sich in Zeiten sinkender Reallöhne und Ausbluten des Mittelstandes ausgerechnet diejenigen eigenmächtig zu bereichern beabsichtigen, die doch nur unser Bestes (also unser Geld??) wollen? Und dass unser zaghafter Protest irgendetwas mit der Fähigkeit zur Selbstkritik unserer Politiker zu tun hat? (Mensch Strucki, altes Auspeitsch-Opfer! Du bist wirklich der einzige Politiker, der nach einer Rolle rückwärts an der gleichen Stelle stehen kann, wie zuvor!)

Zwar ist die angebliche Koppelung der Abgeordnetendiäten an die Höhe der Gehälter von Bundesrichtern nur eine Mogelpackung, da diese (na, wer will mitraten?) natürlich von den Abgeordneten festgelegt werden! Doch sei die beschämende Gegenfrage erlaubt: Wenn wir unser Gehalt selbst bestimmen könnten, was würden wir tun? Den Anti-Manager geben? Oder darf es nicht doch ein bisschen mehr sein?

Daher heißt es auch in jedem Selbstbedienungsladen: Ladendiebstahl lohnt sich nicht! Und diese kleine Erkenntnis unseren Politikern nachhaltig nahe bringen zu können, das wär‘ uns doch einiges wert gewesen! Denn wir sind ja gar nicht so…

April:  Tiefe Einblicke
Die Merkel gewährt ja neuerdings tiefe Einblicke in ihr äh Privatleben. Das Busenwunder der Bundesregierung brüstet mächtig auf. Und zeigt den Jungs mal so richtig, wo die Glocken hängen. Germanys next Top-Moppel. Find ich gut: Nicht jeder geht mit seinen Alt-Lasten so offen um. Und das hat auch was mit Umweltschutz zu tun: Die Merkel legt sich nicht mit der deutschen Automobilindustrie an, sie legt sie an!
Ich frage mich natürlich: Wovon will sie ablenken und was will sie uns damit sagen? Ein Unglück kommt selten allein? In der DDR war nicht alles schlecht? Oder die dümmsten Bauern haben die dicksten Kartoffeln?
Vielleicht war sie auch einfach mal wieder gierig nach einem Kompliment zu ihrem Äußeren, so wie: „Angela, ich will ein Rind von Dir!“ Allerdings war es purer Zufall, dass einige Tage später deutsche Bauern gegen den Verfall der Milchpreise demonstriert haben. Wie gesagt, purer Zufall - aber ein schöner!
Hoffentlich taucht DIE nicht auch noch in Latexhandschuhen auf. Jedenfalls hat sie die bessere Ausrede parat: „Ich wollte mir an Deutschland nicht die Finger schmutzig machen!“ Ich finde ja, das ist ihre Privatsache und die soll es bitte, bitte auch bleiben. Schließlich kann man nicht über alles hinweg sehen…

März:  Olympische Nasenringe!
Das war doch ein schlauer Schachzug des IOC, die Olympischen Spiele an eine Diktatur zu vergeben! Es sei denn, es war so naiv zu glauben, damit auch „westliches Gedankengut“ exportieren zu können.Zwar heißt es Eulen nach Athen tragen, mit einer Fackel durch ein brennendes Land zu laufen. Doch nur so war es möglich, viele neue Sportarten der Weltöffentlichkeit zu präsentieren, die eine Aufnahme in den Kreis der olympischen Familie längst verdient hatten (schließlich findet die meiste Gewalt ja bekanntlich in der Familie statt!):Mönch-ärgere-dich-nicht, Mauerschützen, Freiheitstilringen, Hammer-und-Sichel-Wurf, Krisenherd-Löschen, Den-schönen-Schein-wahren (wobei hier „Schein“ in doppelter Bedeutung zu verstehen ist), Elfenbeinturmspringen, Demokratie-Marathon (über 50 Jahre), Betonkopfschütteln sowie Knüppel-aus-dem-Sack.Die erste Goldmedaille ist auch schon vergeben: Sie geht an die chinesische Dressurreiterin „Nr. 14“ auf ihrem Lama „Dalai“. Abgeschlagen (!) dagegen landete die chinesische Military-Mannschaft auf den hinteren Plätzen des Friedens: Sie hatte aufgrund mangelnder Alternativen den Takt- mit dem Schlagstock verwechselt!
Aber dank der 15-stündigen kritischen Dokumentation „Sport ist Mord“ im chinesischen Fernsehen (wieso eigentlich „fern“?), konnte die „Kreativabteilung asiatischer Raubkopierer“ tags darauf ein neues Motto präsentieren, das die einheimische Fähigkeit zur Verbindung von Tradition und Moderne eindrucksvoll unter Beweis stellt, ohne einen internationalen Bezug außer Acht zu lassen: So hat der Slogan „Freetiert Tibet“ das Zeug zu einem echten Dauerbrenner- es muss ja nicht gleich mit der olympischen Flamme sein!

Februar:  Türken raus (aus Kurdistan)!
Bravo, Ministerpräsident Erdogan! Zwar hätte man sich schon früher ein derart offenes Wort zur Kurdenproblematik in Ihrem Land gewünscht, aber glücklicherweise haben Sie noch nicht alle der ca. 15 Millionen ausgerottet, so dass einige wenige von ihnen vielleicht doch noch in den Genuss Ihrer segensreichen soziologischen Forderungen kommen.
Denn wenn Assimilation tatsächlich ein „Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ ist, dann steht doch eigentlich muttersprachlichen Schulen und Universitäten für Kurden sowie die Anerkennung und Gleichbehandlung von Aleviten als Religionsgemein­schaft nichts mehr im Wege!
Oder sollte ich Sie da falsch verstanden haben? Gibt es in England nur Geisterfahrer? Sind die Eskimos bloß zu faul zum Sonnenbaden? Und ist es nicht unerträglich, dass die Erde immer nur um die gleiche Sonne kreist? Oder sollte gar Assimilation, also Anpassung, nicht doch DER entscheidende Schlüssel der Evolution sein?
Nichts gegen die Pflege von Eigenartigkeiten. Werden sie aber zu Einzigartigkeiten, dann muss man sich über eventuelle Einsamkeiten nicht weiter wundern. Aber zur Not kann man eine eigenartige Minderheit ja immer noch in eine einzigartige Mehrheit zwingen. Oder bin ich jetzt nur geistig minder(heiten)bemittelt??

Januar:  ÜbergeKocht!
Von Schäuble lernen, heißt, radikalisieren lernen. Der Vorstoß des hess(l)ischen Ministerpräsidenten Koch, auch jugendlichen Straftätern unter 14 Jahren die Segnungen von Erziehungslagern und Warnarresten zukommen zu lassen, steht ganz in der Tradition christdemokratischer Betonköpfe.
Ich kenne seine Kindheit nicht, aber der geistige Kurzschluss, Strafe mit Erziehung gleich zu setzen, lässt Schlimmes vermuten. So gibt Koch derzeit die moderne Variante der „drei Affen“: Vergessen, dass er in seiner Amtzeit die Stellen von 700 Polizisten und 80 Richtern und Staatsanwälten gestrichen hat. Verschweigen, dass die Rückfallquote bei inhaftierten Jugendlichen bei 70 % liegt. Ignorieren, dass es die eigentliche Aufgabe einer wirksamen Sozialpolitik wäre, vorbeugend tätig zu werden.
Aber wer braucht schon Argumente, der sich als „akzeptierter Sprecher einer schweigenden Mehrheit“ versteht? (Wo hat er denn den Satz her? Aus dem Handbuch „Wie legitimiere ich mich selbst“?) Dem reichen schlagkräftige Parolen wie: Prügel statt Pädagogik. Und wie wir von der Aufzucht (!) anderer Küken bereits wissen, ist die Käfighaltung deutlich billiger, als das betreute freie Herumlaufen. Da verliert man immer so schnell den Überblick! Es gibt keine Ordnung ohne Jägerzaun!!
Und so können wir wenigstens ordentlich sparen – wenn auch an der falschen Stelle. Denn früher brauchte es viele Köche, um einen Brei zu verderben. Heute reicht einer. Na dann: Mahlzeit, verdaut wird später!

Anno 2007

Dezember:  Schweine-Hundt
Lieber Sozialmissbraucher! Als Arbeitgeberpräsident sagten Sie neulich in einer Talkshow, Deutschland müsse damit aufhören, Luxusdiskussionen zu führen. Dazu zählt für Sie 1. der verlängerte Bezug von ALG II bei über 50jährigen, 2. erhöhte Sozialleistungen bei der Pflegeversicherung (haben Sie ’nen Schlüssel zum Jungbrunnen, oder was?) und 3. natürlich der Mindestlohn!
Da sitzt also einer im Nadelstreifenanzug, stellt sein neues Buch „Mein Leben als Schweine-Hundt“ vor und erzählt mir, wie viel ich zu verdienen habe! Schönen Dank auch, aber wir knabbern noch an der letzten frohen Botschaft dieser Art, überbracht von König Hartz und Kanzler Schröder.
Natürlich vernichten bzw. verteuern Mindestlöhne gewisse Arbeitsplätze. Und zwar genau die, bei denen die rücksichtslose Ausbeutung der Arbeitnehmer zum Geschäftsmodell gehört (Und für die der Steuerzahler zusätzlich noch bezahlen darf!). Insofern sind Mindestlöhne keine wirtschaftliche, sondern eine soziale Frage. Aber die interessiert Sie ja frühestens wieder im nächsten Leben – hoffentlich dann nicht nur als geistiger Sozialfall…

November:  MehDorn im Auge!
Die Bahn macht mobil. Doch auf ihrem Weg an die Börse (oder sollte man besser „in die Börsen“ sagen?) ist Bahn-Chef Mehdorn längst vom rechten Kurs abgekommen. Denn wenn ein geschätzter Gesamtwert von 118 Milliarden Euro zu einem Börsenwert von gerade mal 18 Milliarden verhökert werden soll, dann kann man wohl zu Recht von der größten Vernichtung von Staats-, also Bürgervermögen der letzten Jahre sprechen.
Toll auch der Vorschlag einer „Bürgeraktie“. Das hat bei der Telekom ja schon so gut geklappt (jedenfalls 3 Monate lang) und stellt darüber hinaus geradezu ein kapitalistisches Meisterstück dar: Ich verkaufe meinen Kunden (!) nicht nur das noch mal, was ihnen sowieso schon gehört, sondern lasse mir noch einen zusätzlichen Anspruch auf Instandhaltung meines zukünftigen Schienen-Eigentums durch den Staat garantieren!
Normalerweise würde man jetzt in so einem Fall auf die Politik hoffen. Aber da Bundesverkehrsminister Tiefensee nichts anderes zu tun scheint, als an seinem künftigen Aufsichtsratsposten bei der Bahn zu arbeiten (ich weiß, ist nur eine wilde Spekulation von mir!), bleibt einzig die Erkenntnis: Auch ein Konkurs ist ein Kurs (es müssen ja nicht alle in die gleiche Richtung fahren!). Die Bahn kommt - uns teuer!

Oktober:  Die Hermans-Schlacht!
Liebe Talkgemeinde! Ist es nicht schön, dass wir in einer so offenen und diskussionsfreudigen Gesellschaft leben? Und dass die besten Köpfe des Landes – also Margarethe Schreinemakers, Senta Berger und Jürgen Vogel (Herr Kerner ist in diesem Zusammenhang eine zu vernachlässigende Größe) – derart engagiert die Qualität des Unsinns kontrollieren, der via TV über den Äther gejagt wird?
Sind es nicht Köpfe wie diese, die bei jeder passenden Gelegenheit darauf hinweisen, dem Rechtsextremismus müsse man sich stellen und argumentativ auf deren Vertreter einwirken? Und kaum stehen sie vor einer (zugegebenermaßen relativ naiven) Gleichsetzung über die im Nationalsozialismus praktizierten Familienwerte mit den damals gebauten Autobahnen, mutieren sie alle zu intellektuellen Geisterfahrern. Und ich Depp dachte, Talkshows seien zum Reden, zu einer inhaltlichen Auseinandersetzung da?! Und so offenbaren sich flugs mindestens zwei (neue?) Tabus: Bloß nichts Gutes über ein tradiertes Frauen- bzw. Familienbild sagen. Und nie vergessen, dass alles im Nationalsozialismus schlecht war, außer … nee, lieber nicht! Aber is’ schon gut, dass wir drüber geredet haben…

September:  Ach du lieber Gott!
Lieber Großinquisitor Meisner! Natürlich gehört das Halten von Brand(stifter)reden zu Ihrem Berufsbild. Und ebenso natürlich konnten wir von verschiedenen Berufsverbrechern der unterschiedlichsten Branchen lernen, dass sie „privat“ durchaus sensible Züge offenbarten.
Insofern hat mich Ihr gerichtlich erwirktes Verbot, sich nicht mal von einem Kabarettisten in einer Kabarettsendung als „Hassprediger“ bezeichnen zu lassen, vollends von Ihrem guten charakterlichen Kern überzeugt.
Ich finde es auch nicht weiter schlimm, dass Sie keine Ahnung von Kunst haben, mal eben „Kultus“ und „Kultur“ gleichsetzen und nebenbei über die katholische Kirche als „die beste Religionsmutti der gaaanzen Welt“ bramarbarsieren (Wenn die Türken im 16. Jahrhundet einige Tage länger auf Wien eingeprügelt hätten, würden Sie jetzt selbst den Halbmond anheulen!). Denn Sie haben ja längst selbst dafür gesorgt, dass man nicht mehr jedes Ihrer Worte ernst zu nehmen braucht.
Allerdings hätte ich mir die zuvor gelobte Empfindsamkeit beim Verwenden problematischer Begriffe auch in Ihren eigenen Tiraden gewünscht. Denn es ist doch höchst merkwürdig, wenn jemand, der von Berufs wegen „das Wort Gottes“ verkünden soll, seine Sprache (und das dazugehörige Denken) derart mangelhaft im Griff hat, dass er sich hopplahopp eines Nazi-Jargons bedient, dass zur Legitimation der Verfolgung und Ermordung von Millionen Menschen geführt hat.
„Entartet“ ist daher nicht etwa irgendeine Kunst, sondern Ihr Denken! Der liebe Gott würde sich im Grabe umdrehen, könnte er Sie hören! Das wäre gut für Sie. Denn sollte er nicht tot sein, wünsche ich Ihnen viel Spaß mit Ihrem Fegefeuer! Merke: Wir müssen alle dran glauben…

August:  Mich stört nichts, ich bin gestört!
Liebe Firma Vattenfall!
Aus gegebenem Anlass möchte ich Sie auf den Unterschied zwischen dem „Spiel des Lebens“ und dem „Spiel mit dem Leben“ hinweisen.
Zum „Spiel des Lebens“ gehört natürlich aus unternehmerischer Sicht, Ihre Atomkraftwerke so kostengünstig wie möglich zu betreiben. Klar, würd’ ich auch machen. Heikel wird es jedoch, wenn aufgrund einer Gewinnmaximierung die notwendigen Maßnahmen zum Schutz der Anlage (oder besser gesagt: zum Schutz der Menschen VOR der Anlage) unterbleiben. Dann wird aus dem Spiel schnell ernst – nämlich der Ernst unseres Lebens!
Oder wie sonst soll man „160 sicherheitsrelevante Mängel“ beim AKW Krümmel und 707 „offene Punkte aus der Sicherheitsüberprüfung für das Kernkraftwerk Brunsbüttel“ beurteilen? Mal abgesehen davon, dass die Vorgänge bei den Störfällen der letzten Jahre gezeigt haben, dass diese Technik eigentlich nicht beherrschbar ist: Wir können uns auf dem Gebiet der Atomkraft wahrlich keinen Fehler leisten. Und bekannte Fehler zu ignorieren, heißt, mit unser aller (auch Ihrem!) Leben zu spielen.
Ich möchte jedenfalls nicht erleben, dass Sie eines (schönen?) Tages nicht mehr wissen, wo Sie sich Ihre täglichen 1 Mio. EUR Gewinn durch jedes der o. g. Kraftwerke hin stecken sollen, da es keinen Ort mehr gibt, der Ihrem wirtschaftlichen Engagement einen fruchtbaren Boden bieten könnte!
Was tun, wenn sich das AKW Krümmel in die Atmosphäre „verkrümmelt“?? Dann hilft nur noch ein offener Umgang mit dieser Problematik, für den Sie ja (dank auch eines gerichtlichen Urteils) zweifellos bekannt sind. Als Anerkennung Ihrer nicht enden wollenden Bemühungen überlasse ich Ihnen daher den folgenden Werbe-Slogan: „Vattenreinfall – bei uns brennt immer die Hütte!“ völlig kostenlos! Denn wenn Sie ihn einst brauchen, haben wir alle schon die Zeche bezahlt. Glück auf!

Juli:  Im Namen des Volkes
Lieber Fritze Merz! Mit großer Freude habe ich das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zur Kenntnis genommen, dass Ihre Klage gegen die Offenlegung von Abgeordneten-Gehältern abgewiesen hat! (Zwar hätte ich mir ein deutlicheres Urteil gewünscht, aber immerhin.)
Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich neide es Ihnen nicht, dass Ihre Steuererklärung längst nicht mehr auf einen Bierdeckel passt. Von mir aus können Sie mit jedem Beruf der (Wirtschafts)Welt so viel verdienen, wie Sie und Ihre Erben wollen. Aber wenn ich recht informiert bin, haben Sie bereits einen Job: Einige – zugegebenermaßen verwirrte – Wähler haben Ihnen den Auftrag gegeben, ihre (also deren!) Interessen zu vertreten. Fragt sich nur, gegen wen? Vielleicht gegen den einen oder anderen Konzern (vom BVB einmal abgesehen), bei dem Sie für eine jährliche Bezahlung von über 7.000 EUR im Aufsichtsrat, Beirat oder Verwaltungsrat sitzen??
Damit Sie dieser Aufgabe unabhängig und ohne persönliche wie finanzielle Einbußen nachkommen können, erhalten Sie dafür ein monatliches Salär von ca. 7.000 EUR (von einer Pension mal ganz zu schweigen), mit dem der eine oder andere Geizkragen schon ganz gut über die Runden kommen könnte.
Ich frage mich jetzt: Wenn es andere Bierdeckelsammler als einen Fulltime-Job ansehen, nur (!) einen Aufsichtsratsposten zu bekleiden, wie sieht dann Ihre Tätigkeit bei gleich zehn Unternehmen aus? Lesen der monatlichen Mitarbeiterzeitung? Shakern mit der Chefsekretärin? Regelmäßige Kontrolle des Bierdeckelbestandes in der jeweiligen Firmenkantine??
Ich kann ja nachvollziehen, dass Sie sich als Schoßhund Angela Merkels nicht ausgefüllt fühlen. Und um Ihrem persönlichen (d. h. in Ihrem Falle wohl: finanziellen) Glück nicht länger im Wege zu stehen, möchte ich Sie im Namen des Wahlvolkes von dieser ungeliebten Tätigkeit befreien und kündige daher das zwischen uns bestehende Arbeitsverhältnis zum nächstmöglichen Zeitpunkt.
Sie werden verstehen, dass ich auf Grund Ihrer klagenden Verhaltensweise (s. o.) in Ihrem eigenen Interesse von der Erstellung eines Zeugnisses absehe. Ich wünsche Ihnen aber dennoch für Ihren weiteren Lebensweg … ach is’ mir doch egal!

Juni:  Meineidgenossen
Lieber Jörg Jaksche! Ich bin Ihnen geradezu dankbar dafür, dass Sie bei Ihrem Betrugs-Geständnis auf Zabelsche Krokodilstränen in unschuldsweiß verzichtet haben (er hatte bestimmt noch welche übrig!).
Auch Ihr offenherziges Eingeständnis, nur deshalb jetzt Ihr Schweigen zu brechen, weil Sie auf der berühmt-berüchtigten Dopingliste des Herrn Fuentes stehen, hat mich schwer beeindruckt. Richtig so: Immer nur das zugeben, was eh schon bekannt ist! Merke: Auch Sportpolitik ist nur – tja – Politik!
Ebenso nachvollziehbar Ihre reuelose Aussage, dass Sie ansonsten – wie all die Jahre zuvor – einfach weitergedopt hätten. (Buisiness as usual, halt. Oder sollte man es schlicht „Chancengleichheit“ nennen?) Und geradezu vorbildlich finde ich Ihre Bereitschaft, sich als Kronzeuge zur Verfügung zu stellen, um endlich auch mal andere (und nicht immer nur sich selbst) in die Pfanne hauen zu können!
Erst die daran geknüpften metaphorischen Bedingungen, wie: „Alle fangen wieder bei null an“ (d.h. „Eigentlich sind die anderen schuld.“), „Straffreiheit für Dopingsünder“ (d.h. „Gestehen ist Strafe genug.“) sowie das „Bestehenbleiben aller Verträge der Radprofis“ (d.h. „Finanz-Spritzen finde ich völlig in Ordnung.“) haben mich eine weitere Nebenwirkung des Medikamentenmissbrauchs erkennen lassen: den völligen Verlust sämtlicher rechtlicher und moralischer Grundwerte. Von der Ihnen avisierten Verleihung des „Deutschen Radmutter-Kreuzes in Carbon“ muss ich daher leider wieder Abstand nehmen.
Schade nur, dass Sie jetzt für die „Tour de Farce“ gesperrt sind. Ihre unterschriebene Ehrenerklärung hätte mich wieder ruhig schlafen lassen – vor allem bei den Übertragungen!

Mai:  Alles Paranoia macht der Mai
Man hat sich ja schon fast daran gewöhnt, dass der Staat beginnt, sich gegen die eigenen Bürger zu wenden - wie nicht zuletzt der Fall Kurnaz eindringlich bewiesen hat. Die Unschuldsvermutung gilt nicht mehr. Jeder von uns ist ein potentieller Täter und muss auch so behandelt werden. Und das perfide am Terrorverdacht ist, dass eben ein Verdacht als Begründung ausreicht, um die volle Breitseite der Justiz anzuwenden. Jetzt neu im Angebot: Zugriff auf Mautdaten, bundesweite Fingerabdruck-Datei, automatischer Videoabgleich, Speichern von Telefondaten für ein halbes Jahr; biometrische Pass-Fotos schon bei Kindern, Online-Durchsuchungen von PCs …
Wie, Online-Durchsuchungen von PCs? Die sind doch vom BGH verboten worden?! Im Prinzip schon. Allerdings redet der BGH ja viel, wenn der Tag lang ist, so dass sie Schily 2005 in einer geheimen Dienstanweisung am Parlament vorbei wieder erlaubte. Das ist aber nur deshalb raus gekommen, weil Schäuble dafür jetzt mehr Geld verlangt hatte! Das heißt: Der Mann weiß selbst nicht, was legal ist! Jetzt weiß er es, doch anstatt sich an die Verfassung zu halten, will er sie halt ändern.
Der sicherste Staat ist der Überwachungsstaat. Allerdings kommt dann der Feind nicht mehr von außen, sondern innen, zumeist in Form des Innenministers. Dabei weiß man doch spätestens seit der Always-Ultra-Werbung, dass es heißt: Mit Sicherheit ein GUTES Gefühl – und nicht einfach nur ein Sicherheitsgefühl!
Es gibt keine Sicherheit vor fanatischen Bahnfahrern (Motto: Blödsinn mit Lötzinn!), nur größere Chancen bei der Aufklärung. Und da bin ich der Meinung: Lieber einen Täter nicht erwischen, als 10.000 Unschuldige ins Visier genommen (was hier ja auch wörtlich zu nehmen ist) - auch das muss eine Demokratie aushalten können.
Die größte Gefahr für mein Leben bin ich selbst! Ansonsten kann ich zum Thema „innere Sicherheit“ nur sagen: Kondome schützen (auch im Sitzen)!
Die Hausdurchsuchungen bei angeblichen Linksterroristen im Vorfeld des G8-Gipfels zeigen, wie leicht es mittlerweile ist, mit Terrorkanonen auf kritische Spatzenhirne zu schießen. Was kommt als nächstes? Folter zum Erpressen von Geständnissen? Na, wenn’s der „guten Sache“ dient?! Und um in Schäubles Denkmuster zu bleiben, möchte ich den guten alten elektrischen Stuhl noch einmal ins Gedächtnis rufen. Denn der hat eine beeindruckende Bilanz: Keiner von denen, die auf ihm Platz genommen haben, ist jemals wieder straffällig geworden! Vielleicht sollte Schäuble schon mal Probesitzen…

April:  Oettifant im Porzellan-Laden!
Lieber Herr Ministerpräsident Gott sei Dank nicht meines Bundeslandes!
Ich kann ja verstehen, dass Sie nicht mit der guten alten CDU-Tradition brechen wollten, ehemalige Nazis mir nichts dir nichts in die Partei aufzunehmen, und das Deckmänntelchen des Schweigens über deren heikle Vergangenheit zu hängen (zumindest so lange, bis eine meist schmutzige Vergangenheit an die Öffentlichkeit kommt)!
Auch habe ich schon den einen oder anderen Satz von Ihnen vernommen, den ich nicht einmal mit den beliebtesten Vorurteilen gegenüber Ihren Bundeslands­genossen erklären konnte. DAS wäre mal eine „Trauerrede“ wert!
Sich nun aber dackelblickend hinzustellen, und mit Hans Filbinger einen ehemaligen NS-Marinerichter zum „Gegner der NS-Diktatur“ umzuetikettieren, zeugt schon von einem ganz besonderen Geschichtsverständnis:
Wenn ich Sie richtig verstanden habe, waren demnach die Nazis bekannt dafür, Regimegegner in Schlüsselpositionen zu etablieren, um sie dann gegen ihre eigene Überzeugung agieren zu lassen (in unserem Fall also als Diktatur-Gegner einem Deserteur zu einem – na sagen wir mal: vorgezogenen – letzten Willen zu verhelfen)! Perfide, perfide.
Natürlich kann man Fehler machen. Die Frage ist nur, wie man damit umgeht. Will sagen: Dumm sein ist nicht schlimm – andere für dumm verkaufen, schon. Insofern verstehe ich die Rufe nach Ihrem Rücktritt nicht – geistig sind sie es doch schon!
Mit rechtschaffenden Grüßen
Ihr mieser peter

März:  Ein Lob der schlagenden Verbindung!
Daran hätte unsere Frankfurter Familien(hin)richterin nicht im Traum gedacht, dass einmal eines ihrer Urteile derart hohe Wellen – tja! – schlagen würde: Mit dem Verweis auf das angebliche Züchtigungsrecht des Mannes im Koran (Äh, hallo, mal ’nen Islamexperten zu dem Thema befragt?), lehnte sie den Antrag auf Schnellscheidung einer in diesem Sinne „glaubenstreu erzogenen“ Ehefrau eines Marokkaners ab! Eigentlich gut so.
Denn das Problem dieses Urteils ist nicht etwa eine Art vorauseilender Gehorsam vor der kastrierfreudigen Schere im Kopf des Gut-Gläubigen: ’Ne Oper kann man schon mal absetzen. Oder gar das Eliminieren des Grundgesetzes angesichts der Berücksichtigung der Scharia (Aufnahme des letzten neuen Gesetzes im 15. Jahrhundert!) im bundesdeutschen Rechts- und Werteraum (jawohl, die gehörten einst zusammen!): Ein Ehrenmord ist ja irgendwie auch so eine Art Totschlag – wie ein weiteres Urteil zeigte.
Nun aber laufen den christlichen Kirchen scharenweise die Mit-Glieder davon. Denn mit derart schlagkräftigen Argumenten im geistigen Hinterwald, versuchen nun Millionen nicht-muslimischer Männer so schnell wie möglich den Glauben zu wechseln (verloren haben sie ihn ja schon oft!), um mit bestem Wissen ohne Gewissen erzieherisch auf ihr eheweibliches Gegenunter einzuwirken. Merke: Handarbeit ist wieder in! Wenn nur die scheiß Beschneidung und das Alkoholverbot nicht wären! Aber dafür finden wir bestimmt auch noch eine grund(ge)sätzliche Lösung...

Februar:  Nix geRAFft!
Na, das nenne ich doch mal ein Eigentor: Christian Klars Grußwort an die Nation und die, die gerne dazu gehören würden, litt nicht nur unter einem ungünstigen Timing. Denn wie das Sprichwort schon sagt: Man kackt nicht dahin, wo man isst! Wenn ich also von meinem „Gegner“ Hafterleichterungen und Gnade erwarte, dann sollte ich tunlichst vermeiden, dass der sich auch als Gegner fühlt – zumindest wenn er ideologisch ebenso verhärtet ist, wie ich selbst.
Schlimmer noch: Es hätte ja durchaus den einen oder anderen kritischen sowie kapitalismuskritischen Punkt anzumerken gegeben – auch wenn die westliche Siegermentalität nach dem Zusammenbruch der DDR über jeden Zweifel erhaben zu sein scheint. Allerdings sollte man dabei eine Sprache wählen, die auch ohne Wörterbuch „Ideologisch – Deutsch“ zu entschlüsseln ist, sonst gibt es eben keine Diskussion, sondern allenfalls Konfusion. Wobei die Reaktionen der Sich-angegriffen-Fühlenden mindestens genauso behämmert waren, wie die Aktion selbst. Da sind die Westerwellen mal wieder gehörig hoch geschlagen.
Der Vorfall zeigt tragischerweise aber auch, wie sehr sich „Otto Normal“ bereits mit seiner politischen Ohnmacht abgefunden hat (Protest wozu?). Und dass eine Haftstrafe von nunmehr vierundzwanzig Jahren einen Häftling derart aus der Zeit fallen lässt, dass dem Gnadengesuch der Gnadenschuss beinahe vorzuziehen wäre – denn tot ist man anscheinend in beiden Fällen…

Januar:  Rad ab!
Armer deutscher Autofahrer, der du so brav warst, dem von der Versicherungs­wirtschaft und unseren obersten Steuermännern ausgekungelten Gesetz (Ist natürlich nur so eine wilde Spekulation von mir - aber die haben doch bestimmt auch ein paar fesche Leihbeamten am Start, oder?!) zu folgen, und dir Winterreifen unter den längst vertrockneten Weihnachtsbaum gelegt hast.
Natürlich hast du nichts dagegen, dass sich Versicherungen immer mehr aus ihrer Verantwortung stehlen, indem sie ihre Leistungen mehr und mehr einschränken (Denn ein Unfall passiert ja zumeist aufgrund eines persönlichen Fehlers und nicht, weil mein Gummi die falschen Noppen hat – gilt ja auch für andere Lebensbereiche!). Und natürlich tut die Bundesregierung gut daran, jede Form eines künstlich erzeugten Umsatzes via Gesetz zu nutzen. Die Reifenhändler waren schließlich längst schon mal dran (und nun eben spätestens alle fünf Jahre wieder)!
Aber jetzt sitzt du bei 15 Grad im Eiscafé, schaust auf deine hässlichen schwarzen Stahlfelgen und sorgst dich nicht mehr nur um deinen Antrieb, sondern auch um den daraus folgenden Abrieb! Aber du solltest dankbar sein: Selten hat es dir eine Regierung leichter gemacht, dauerhaft Spuren zu hinterlassen – wenn’s auch nur auf der Straße ist!